inside the cage – outside the box

 

 


Das könnte man wohl mein neues Mantra nennen:

Inside the cage — outside the box.

Was ich damit ausdrücken möchte?

In mir lebt meine kleine Sklavin. Kein abgetrennter Teil, sondern ein Stück meines Wesens, manchmal nur verborgen, nie verschwunden. Im Alltag kann man damit nicht immer offen umgehen, und genau das beschäftigt mich momentan mehr denn je.

In meinen Gedanken bin ich eine Sklavin, die sich erst in einem Käfig, in Gefangenschaft, wirklich geborgen fühlt, und gleichzeitig denke ich frei, jenseits jeder Norm, außerhalb aller vorgegebenen Linien.

Inside the cage — outside the box.

Ich bin ein sehr direkter Mensch. Die Wahrheit platzt oft schon aus mir heraus, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, ob das gerade klug war. Ich ertrage keine Mauern im Denken, keine geistigen Zäune, und genau darin liegt eines meiner größten Probleme.

Meine Familie weiß, wie ich lebe. Einige Freunde ebenfalls. Aber eben nicht alle. Also beiße ich mir oft auf die Zunge, halte mich zurück, denke um Ecken und bin ständig wachsam. Ich hasse dieses Gefühl. Als würde ein Teil von mir eingeschlossen bleiben. Als könnte ich nicht frei, nein, nicht einmal vollständig atmen.

Wie schön wäre es, mit jedem Menschen offen sprechen zu können.

Und selbst wenn ich mich jemandem öffne, stellt Monsieur sofort die große Frage:
„Wie vertrauenswürdig ist diese Person?“

Ich hasse das.

Theoretisch könnte ich vollkommen offen leben. Wen interessiert schon, was ich zuhause tue? Für mich hätte es keine Konsequenzen. Doch Monsieur, der intime Details nur ungern teilt, empfindet das völlig anders, nicht nur rational, sondern tief emotional.

Ich verstehe ihn natürlich. Wenn es nach ihm ginge, würde er überhaupt nichts aus seinem Leben preisgeben, was nun einmal nicht immer möglich ist. Aber darum geht es gerade gar nicht.

Was mich vielmehr belastet, ist dieses ständige Gefühl, einen Teil von mir verstecken zu müssen.

Ich möchte nicht an einer Leine über den Dorfplatz geführt werden oder nackt einkaufen gehen. Darum geht es nicht. Ich wünsche mir einfach normale Gespräche, ohne jedes einzelne Wort vorher abwägen zu müssen. Ohne ständig zu überlegen, ob ich etwas so sagen darf, was ich lieber auslasse oder wie ich etwas umformulieren muss, damit es harmloser klingt.

Dieses permanente Filtern ist mühsam, sperrig und unglaublich anstrengend.

Manchmal fühlt es sich an, als würde ich dauerhaft eine abgeschwächte Version meiner selbst spielen. Nicht gelogen, aber gekürzt. Geglättet. Kontrolliert.

Und je länger man das tut, desto anstrengender wird es, ständig mitzudenken. Jeder Satz läuft erst durch einen Filter. Kann ich das sagen? Ist das zu viel? Verrät das zu viel über mich? Muss ich das umformulieren? Muss ich mich kleiner machen?

Es ist dieses ständige Bremsen, das mich müde macht.

Denn die Gedanken verschwinden ja nicht. Meine Art zu fühlen verschwindet nicht. Mein Leben verschwindet nicht. Es bleibt da, nur verborgen hinter Formulierungen, Ausweichbewegungen und halben Wahrheiten.

Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich so frustriert:
Nicht, dass ich mich verstecken muss, sondern dass ich nie vollkommen unbeschwert sprechen kann.

Dass selbst in lockeren Gesprächen immer ein Teil von mir wachsam bleibt.

Immer kontrolliert.
Immer vorsichtig.
Immer damit beschäftigt, die richtige Version von mir nach außen zu tragen.

Und irgendwann fragt man sich, wie frei man eigentlich wirklich ist, wenn selbst Worte sich manchmal wie ein Käfig anfühlen.

Und dann kommt noch hinzu, dass sich gerade selbst meine DS-Beziehung anfühlt, als würde sie auseinanderbrechen. Nähe fehlt. Vertrauen ebenso. Und dieses Gefühl von Zugehörigkeit, von Angekommen-Sein, scheint irgendwo zwischen Alltag, Distanz und unausgesprochenen Dingen verloren gegangen zu sein.

Einsamkeit ist dafür eigentlich das falsche Wort.

Einsamkeit klingt still. Fast harmlos.
Doch das hier fühlt sich anders an.

Es ist eher ein inneres Ausfransen. Ein Zustand, in dem auf allen Ebenen etwas fehlt. Überall klaffen Lücken, in Gesprächen, in Berührungen, in Blicken, in diesem tiefen Gefühl von „wir“. Nichts wirkt vollständig. Nichts greifbar.

Und vielleicht macht genau das alles gerade so schwer:
Dass ich mich nicht nur vor der Außenwelt zurückhalten muss, sondern inzwischen selbst dort keinen Halt mehr finde, wo ich mich eigentlich fallen lassen können sollte.

DS lebt von Vertrauen. Von Hingabe. Von Sicherheit innerhalb der Dynamik. Doch was passiert, wenn genau diese Dinge anfangen zu bröckeln?

Dann bleibt irgendwann nur noch dieses diffuse Gefühl zurück, gleichzeitig zu viel und nicht genug zu sein.
Zu laut mit den eigenen Gedanken.
Zu empfindlich mit den eigenen Bedürfnissen.
Und trotzdem emotional hungrig bis in die Knochen.

Es ist, als würde ich innerlich ständig nach Nähe greifen und gleichzeitig ins Leere fassen.

Und diese Leere breitet sich inzwischen überall aus.
In meinem Kopf.
In meinem Herzen.
In meinem Alltag.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, weshalb mich dieses dauernde Verstecken momentan so erschöpft:
Weil ich nicht einmal mehr weiß, wohin mit all dem, was in mir steckt.

Emotionale Heimatlosigkeit. Dieses Gefühl, nirgends mehr wirklich anzukommen, weder bei anderen noch in mir selbst.

Vielleicht liegt genau darin mein Widerspruch:
Inside the cage — outside the box.
Denn der Käfig ist nicht das, was mich gefangen hält. Er ist der Ort, an dem ich mich fallen lassen kann, während die Welt außerhalb mich ständig dazu zwingt, mich selbst einzugrenzen.


 


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