Wo Hingabe keinen Raum mehr findet

 Da trudelte mir eben eine Frage aus einem Forum in mein Postfach, bei der sich bereits beim Lesen ein Ziehen in meiner Magengrube breit machte. Übersetzt lautete sie in etwa:

„Verehrt ihr euren Dom wirklich jeden einzelnen Tag, selbst wenn ihr euch nicht danach fühlt?“

Erst dieses Ziehen in der Magengrube. Dann die Erinnerung an Bedürfnisse und Sehnsüchte, die schon so lange brachliegen, ohne dass auch nur die kleinste Besserung in Sicht wäre. Und schließlich diese ungeheure Traurigkeit, weil man tief in sich weiß, dass es sich wohl nie mehr ändern wird.

Meine eigentliche Antwort wäre wohl:

„Natürlich! Gerade dann, wenn man nicht möchte, ist es umso wichtiger. Umso intensiver. Umso erfüllender. Gerade dann zeigen sich Demut, Hingabe und das, was eine Sklavin ausmacht. Gerade dann!“

Vorgetragen von meiner kleinen, inneren, jubelnden Sklavin.

Und dann folgt die Erkenntnis, wie meine Realität inzwischen aussieht. Dass es für mich undenkbar geworden ist, Monsieur jemals wieder so zu behandeln. Nicht, weil meine Hingabe verschwunden wäre, sondern weil sich inzwischen alles in mir dagegen sträubt. Weil zu viel vorgefallen ist. Weil nichts mehr im Einklang ist. Weil dort, wo einst Hingabe war, inzwischen fast nur noch Missmut herrscht.

Gestern der letzte Streit.

Er wurde lauter und erregter. Ich wurde leiser und kehrte mich immer mehr nach innen. Bis ich irgendwann begriff, dass wir nicht einmal mehr miteinander reden können. Dass selbst das kleinste Fundament menschlicher Kommunikation zwischen uns gefühlt verschwunden ist.

Erst nachdem ich ihm den Schlüssel meines Halsbands in die Hand gedrückt hatte, war er in der Lage, sich hinzusetzen. Wirklich zu reden. Mir zuzuhören.

Hat es etwas bewirkt?

Nein.

Alles wie vorher.

Alles schon so oft erlebt.

Eine Dauerschleife. Ein Hamsterrad. Ein Teufelskreis.

Manche Wege führen einen immer wieder an dieselbe Kreuzung. Nicht, weil man sich verlaufen hat, sondern weil man sich noch nicht entscheiden konnte.

Heute dann diese Mail im Postfach.

Die grünen Bücher stehen im Regal und verstauben. Fast ein Jahr alt. Nutzlos, wie so vieles davor. Ich merke, dass ich sie inzwischen verachte. Nicht wegen ihres Inhalts, sondern weil sie all das repräsentieren, wonach ich mich so sehr gesehnt habe. Und, ironischerweise, auch das, was Monsieur sich gewünscht hatte. Etwas, das für uns beide unerreichbar geblieben ist.

Ich sage Monsieur oft: Ich mag nicht mehr.

Ich mag nicht mehr, dass sämtliche Ebenen unserer Beziehung verschwunden sind. Dass selbst die Basis nicht mehr da ist und wir uns trotzdem nicht voneinander lösen. Dieses tägliche Ertragen. Diese ständige Frustration. Dieses Gefühl, auf der Stelle zu treten, obwohl man doch verzweifelt vorankommen möchte.

Alle Zutaten sind vorhanden.

Aber wir schaffen es nicht, daraus etwas zu kochen.

Und ich...

Ich bin einfach nur noch unendlich müde.


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