Sonntag, 20. September 2020

Neuerschaffung aus der Asche






Es fühlt sich an, als wären die unsere Beziehung bis auf die Grundmauern niedergebrannt.
Als müsste man nun, quasi von vorne beginnen und am Stark befindet sich lediglich eine Freundschaft, ein sich leiden können und gut miteinander klar kommen, wenn man vorsichtig miteinander umgeht.

Sobald man nicht aufpasst, etwas zu hartes sagt, einem etwas heraus rutscht, gibt es eine Kettenreaktion und die Wut und alle anderen Emotionen kochen über.

Da ist einfach so viel aufgestaut...

Unser Bindeglied fällt weg, was auch bedeutet, dass unser kleiner Welt-Schönermacher weggefallen ist, was auch beutetet, dass wir mit allem hadern und dauernd sagen, auf was wir keine Lust haben und nie sagen, auf was wir Lust haben, weil wir keine Lust mehr haben.

Ich möchte mich verkriechen in sinnlose Tätigkeiten, die den Kopf so weit beanspruchen, als dass ich genug abgelenkt bin.

So funktioniert es allerdings nicht und das hat mein Herr erkannt und einfach mal begonnen langsam wieder das Beziehungshaus aufzubauen.

Dann gehen mir Gedanken durch den Kopf wie "Phönix aus der Asche" und "Kali- man muss zerstören um neue Dinge erschaffen zu können" und ganz viel wie "Ich habe einfach Angst, dass es wieder ein Rohrkrepierer ist, dass es wieder endet, bevor es beginnt, dass es endet, wenn ich beginne mich zu entspannen und wohlzufühlen!"

Also ganz viele Ängste und Sorgen und ganz wenig Entgegenkommen von meiner Seite.

Andererseits war es ganz interessant zu merken, dass ich gehorche, noch bevor ich darüber nachdenke. 
Wenn mein Herr sagte, ich solle das und das machen, dann machte ich es und erst dabei bemerkte ich, dass ich doch eigentlich zu sehr Angst davor hatte es zu tun und mich eigentlich weigern wollte und zeitgleich merkte ich, wie gut es tut zu folgen, wie wohl ich mich damit fühle und entschied mich, wenn sich etwas gut anfühlt, dann sollte man es auch machen und erst einmal nicht daran denken, was sein könnte wenn...

So kam es ganz langsam Stein für Stein zurück.

Ich traute mich dann zum Beispiel meinem Herrn zu schreiben, als er unterwegs war, dass ich mich verloren und alleine fühle (so ohne meinen kleinen Schatten) und haltlos, so haltlos.
Er reagierte vorbildlich, begann mich abzulenken mit der Frage, warum ich Möbel benutzen darf, warum ich gerade auf dem Stuhl sitzen darf, warum es mir etwas ausmacht, wenn ich Möbel benutze und als er dann keine Zeit mehr hatte, wieder arbeiten mußte, da ließ er mich nicht einfach zurück, sondern gab mir die Aufgabe über meinen Schreibtisch, ein Möbelstück das ich liebe und es dennoch ungerne benutze, zu schreiben.

Er nahm dann später was ich geschrieben hatte und sponn eine Regel daraus.

Möbel benutzen ja, aber nur wenn ich gefragt habe und eine Erlaubnis bekam, also immer vorher fragen, natürlich mit Anrede.

Eine kleine Regel, ein kleiner Halt, eine kleine Sicherheit.

Anfangs fällt es ihm leichter auf die Einhaltung zu achten, später mir, wir ergänzen uns da gut.

Ja und Nein Antworten nun bitte auch mit Anrede versehen, so ging es weiter, wobei da jeder mal merkt wenn es fehlt und ganz oft keiner, vermute ich.

Wir haben unseren Kopf noch immer voller Trauer und Lücken und fehlenden Anblicken, die einem aufstoßen, wenn man in der Wohnung herum schaut.

Man liegt abends im Bett, merkt dass noch wer fehlt und schon fällt einem auf, dass man nicht mehr warten muss und liegt da alleine, nebeneinander und fühlt die Leere neben einem, deshalb greife ich nun rüber und ziehe den Arm meines Herrn zu mir rüber und er rückt nach und kuschelt sich an mich. Vereint in der Einsamkeit.

Wir haben ja nur einander, könnte man sagen, aber das klingt so abschätzig, so negativ, wenn einander haben ist doch sehr viel.

Wir haben unsere gemeinsamen Erinnerungen an den Kater und vor allem haben wir uns, denn nicht jeder kann sagen, dass er in diesem Bereich seinen Partner findet und seine Bedürfnisse ausleben kann.
Also so gesehen müssen wir das uns wieder neu entdecken, denn es ging verloren, bei all dem Streit und den vielen Problemen.

Ich sitze dann zum Beispiel da (nachdem ich gefragt hatte ob ich darf) und frage mich, warum mein Herr diese Regel fordert. Unterstelle ihm direkt, dass er es für mich getan hat, nicht für sich.

Das ist meine Macke, eine davon, immer anzunehmen, dass mein Herr (egal welcher) es für mich tut, damit ich Ruhe gebe und mich gesehen fühle, nicht weil er es sich wünscht, es ihm auch Spaß macht, oder er es gar selber braucht!

Wir nennen es das Spaghetti Bolognese Problem, weil mein Ex-Herr es anhand von Spaghetti Bolognese beschrieben hatte:
"Ich mag Spaghetti Bolognese und deshalb koche ich sie mir und Du bekommst sie auch zu Essen, dann kannst Du natürlich denken, dass ich es für Dich gekocht habe, aber die Wahrheit ist, dass ich Spaghetti Bolognese gerne esse und wenn Du es auch gerne isst, dann ist das Dein Glück, ein guter Zufall, mehr aber auch nicht."

Mein Ex-Ehedom, mit dem ich 15 Jahre zusammen war, war eben anders und daher stammt diese Macke, wobei ich da nicht weiter drauf eingehen möchte.

Also habe ich mir angewöhnt zu fragen, warum er es fordert/wünscht/möchte.
Natürlich könnte er seine Antwort auf mich abstimmen, damit ich keinen Verdacht schöpfe, aber das wäre eine fiese Unterstellung und umso wortreicher er seine Sicht beschreibt und erklärt, warum er so handelt, umso mehr Vertrauen kann ich fassen und umso besser kann ich mir das nächste mal die Frage selber beantworten, bzw. im Keim ersticken und mir selber sagen, dass er es für sich tut, weil...

Ein anderer Stein wurde verbaut, indem er eine Ecke im Büro mit dem Kissen versah und eine Öse mit Kette ins Regal bohrte, dazu ein paar Schlagwerkzeuge legte und ein Glöckchen, mit dem er mich rufen kann. (Was bin ich froh, dass er das Elektroschock-Halsband nicht mehr im Kopf hatte)

So erschaffen wir ein neues Beziehungsgebäude, nur hoffentlich stabiler, ohne unseren kleinen Helfer und Vereiner, aus eigener Kraft und doch irgendwie mit dem Gedanken: "Wir haben ja nur noch uns", aber auch mit diesem: "Wow, wir haben uns!"

Das frühere Gefühl, alles miteinander bewältigen zu können, alles miteinander schaffen zu können, wir gegen den Rest der Welt, das könnte so langsam zurück kommen, aber das liegt noch in der Zukunft und derzeit kämpfen wir mit anderen Steinen, die uns das Leben in den Weg legt, über die wir stolpern und versuchen an ihnen zu wachsen.




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