Donnerstag, 8. Oktober 2020

Alltag kann fesselnd sein

 Im Moment läuft es wirklich gut, vielleicht kommt daher mein Bedürfnis mich nicht mitteilen zu müsssen, denn ich bin eine Frustschreiberin. Dann schreibe ich, was ich nicht aussprechen kann.

Wenn es mir gut geht hingegen, dann verweile ich in diesem zufriedenem Gefühl und bin gerne auch für mich :)


Ich weiß gar nicht wodurch es genau zustande kam.

Irgendwie hatten wir durch den Kater eine sehr schwere Zeit und ich hatte meine Gefühle und Befürnisse komplett zurück genommen, um in der Trauer für meinen Herrn vollkommen da sein zu können und nach ein paar Wochen konnte ich auch nicht mehr, wollte ich auch nicht mehr und sprach klar aus, dass es so nicht funktioniert für mich.

Es fühlte sich an, als würde unsere ganze kleine Welt auf meinen Schultern lasten. Schrecklich!

Dann näherten wir uns etwas an, neutral eher, wieder auf Zehenspitzen schleichend und versuchten uns gegenseitig zu unterstützen, aber eher kühl, wie Freunde die sich mögen, aber nicht mehr sind und in der Phase konnte ich ein wenig Kraft tanken, was jedoch nicht genug war.

Wer meinen Blog verfolgt weiß, wie wichtig mir DS und TPE ist. Wie sehr ich eine vorgegebene Tagesstruktur von meinem Herrn brauche und wie viel Kraft und Mühe es mich kostet, wenn ich ohne auskommen muss.

Dementsprechend ausgebrannt war ich und brachte auch das dann klar zum Ausdruck, verglich mich mit einer Kerze, die von beiden Seiten abgebrannt wird.

Irgendwas hat das in meinem Herrn angestoßen und wir hatten in der folgenden Nacht unglaublich guten Sex, der längst überfällig war. Drei Orgasmen später, nachdem ich nur noch Tierlaute von mir geben konnte und wieder zurück zur Sprache finden mußte, war auch meine Angst und meine Sorgen zurück, dass es am nächsten Morgen wieder weg sein könnte und das formulierte ich auch.

Wahrscheinlich ist es einfach ungemein wichtig, dass man in seiner Beziehung immer wieder Ängste anspricht, so dass der Andere weiß, warum man wie handelt und was in einem vorgeht und warum man vielleicht auch mal überreagiert oder besser noch, vorher mit diesen Wissen solche Situationen vermeiden kann.

Jedenfalls kam es so, dass wir zu unseren alten Regeln zurück gefunden haben. Ich trage also permanent die Ledermanschetten um die Knöchel und an den Handgelenken, mit den dicken Schlössern, weil mein Herr mag, wie sie klappern und mich behindern.

Nachts gibt es wieder kontinuierlich die Kette ans Halsband und manchmal zusätzlich an einen oder beiden Füßen. Keine Möbel, außer mit einer Erlaubnis meines Herrn, dafür muss ich entweder neben dem Möbelstück warten, bis er es mir gestattet und bedanke mich dann artig dafür, oder ich bitte höflich mit Anrede darum.

Im Büro hat mein Herr einen neuen Ring angebracht, so dass ich auf dem Kniekissen, oder dem Lesesessel auch angekettet Zeit verbringen kann, was mich zusätzlich davon abhält einfach aufzuspringen und Arbeiten zu verrichten, obwohl es meinem Herrn lieber wäre, wenn ich eine Pause machen würde.




 Die Nackthaltung ist auch wieder ein Thema, wobei Socken ausgenommen sind, neben der Wohnungstüre ein Hoodie hängt, falls der Postbote oder sonst wer klingelt und ich ansonsten darum bitten muss, etwas anziehen zu dürfen. Mein Herr ist sehr gnädig und sagt fast immer ja, was mich ein wenig missmutig stimmt, da ich ja eher auf Strenge stehe und er hm recht weich ist und immer möchte, dass es mir gut geht und nach wie vor haben wir verschiedene Vorstellungen von dem was mir gut tut :)

Es fühlt sich gut und natürlich an wieder Regeln und Verbote zu haben und ich genieße diese Freiheit, denn nichts anderes ist es für mich, die Freiheit seinen Willen abzugeben, die Freiheit bitten zu dürfen, die Freiheit nicht tun zu dürfen, die Freiheit untergeben zu sein, die Freiheit sich als Besitz fühlen zu dürfen und diese Freiheit spüre ich umso mehr, umso mehr mir verboten und weggenommen wird. 

Wir haben auch den Standard-Tee und das Standard-Duschgel angepasst. Nur zur Erklärung, ich habe eine Vorgabe als Standard, wenn ich brav bin und frage, bekomme ich auch etwas anderes, ansonsten darf ich das benutzen, ohne fragen zu müssen und als Strafe kann es gut und gerne mal passieren, dass ich Tee, Duschgel oder sonstwas bekomme, was ich nicht mag, mir nicht schmeckt usw.

Beides wurde herbstlicher und ich bin meinem Herrn sehr dankbar, dass ich etwas Neues bekommen habe :)

Nächste Woche geht es zur Kontrolle kurz ins Krankenhaus, was uns immer vor eine kleine Hürde stellt.

Heute holte ich die Einweisung ab und dachte, ich muss nur kurz den Zettel einsammeln, weil ich gestern schon angerufen hatte, also trug ich die Manschetten unter meiner Kleidung.  Bei dem Pulli sieht man nichts, weil die Ärmel ja auch recht weit sind, bei meiner Strumpfhose hingegen gab es verdächtige Ausbeulungen, also huschte ich schnell in Schlappen rüber und rief wie geplant an, dass ich vor der Türe stehe, wie x andere auch. Normalerweise wird einem dann kurz das Abzuholende heraus gereicht und fertig, aber am Tel. wurde mir gesagt, der Arzt möchte noch kurz mit mir reden und so stand ich da in hellrosa Crocs und darüber die knorkelige Strumpfhose, die sehr deutlich zeigte, dass was darunter ist. Ok, ich hatte die Idee zu behaupten, es seien Gewichte bla blubber, aber es fragte keiner und schon nach 30min durfte ich in meinem "schicken" Outfit rein und ich setzte mich innerlich bibbernd hin und hoffte sehr, dass nichts auffallen würde, oder die Schlösser an den Handgelenken klappern würden.

Ich musste nur ein paar Fragen beantworten und war schon dabei eilig Richtung Türe zu tapsen, als er mich noch nach einer Grippeschutzimpfung fragte und es schoß direkt panisch aus mir heraus: "NEIN!"

Dafür hätte ich ja meinen Pulli ablegen müssen...

Außerdem habe ich eine schreckliche Nadelphobie...

Eine kleine Diskussion entstand, weil ich zur Risikogruppe gehöre und es dieses Jahr besonders wichtig ist und mein Arzt macht sich rührend viele Sorgen um mich, wofür ich ihm sehr dankbar bin, er ist ein guter Mensch!

Dann rannte ich fast schon mit meinen Unterlagen heim und war sehr froh, dass nichts angesprochen oder bemerkt wurde :)

Mein Herr ist nun öfter alleine unterwegs, weil die Corona Zahlen stetig steigen und er sich wieder viele Sorgen um mich macht und nicht möchte, dass ich unterwegs bin. Wir gehen dann eher abseits in der Natur spazieren und ich lebe recht zurückgezogen, aber mit vielen leckeren Teesorten, Flauschesocken und XXXL Hoodies :)

Das Krankenhaus macht mir hingegen arge Probleme.

Klar nehme ich mir wieder ein Kuscheltier mit (was immer bei den Untersuchungen und OPs dabei ist) und ein Kuschelkissen, aber ich vermisse dann meine Ringe und Ösen, an denen ich festgebunden schlafe, meine Ketten und die Manschetten, meinen Status und ganz ehrlich, es nervt mich immer wieder, wenn ich mit Stinos Umgang habe, die mich als normale emanzipierte Frau sehen und gar nicht mitbekommen, wie anders ich ticke und wie unangenehm mir daher gewisse Situationen, Fragen und Gespräche sind.

Aber da hilft nichts, da muss man durch und versuchen, es so angenehm wie möglich zu gestalten und immerhin habe ich es nun schon so hinbekommen, dass ich nur eine Nacht weg bin :)

Danach hat sich mein Herr vielleicht etwas schönes für uns einfallen lassen, so dass wir ein wenig standesgemäß feiern können :)




1 Kommentar:

  1. Im großen und ganzen läuft es doch Super. Viel Glück dabei. LG Karl

    AntwortenLöschen