Samstag, 9. April 2022

Selbstwirksamkeit

 Ich bin ein tiefer Mensch. Es gibt auch flache Menschen, die sind mit der Oberfläche zufrieden und wollen nicht in die Tiefe. Das ist nicht mein Ding. Von klein auf, wollte ich schon immer verstehen und begreifen, wollte Wissen!

Ich denke, dass solche Menschen automatisch auch kompliziert sind. Man macht es sich oft selber schwer, oder gibt sich mit Antworten nicht zufrieden und bohrt nach.

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist es, mich selber zu verstehen, unter anderem, damit es Andere nicht so schwer mit mir haben. Wenn man sich selber nicht versteht, stiftet es in jeder Beziehung Chaos, also versuche ich im Reinen mit mir zu sein.

Die Bücher, die wir in den letzten Tagen besorgt haben, helfen mir ungemein dabei. Es ist toll, andere Blickwinkel zu erfahren und dadurch neue Wege für sich zu entdecken und Monsieur profitiert auch, weil ich meine neuen Erkenntnisse und interessante Stellen nicht nur mit ihm teile, sondern auch immer etwas finde, was er spannend findet.

Leider bekam ich Donnerstag Migräne, so dass ich nicht weiter schmökern konnte, aber schön ist, dass sie heute schon weg ist. Das ist schnell, für meine Verhältnisse und ich habe mich gefragt, warum.

Migräne kann ja mit Streß zusammen hängen und ich hatte die letzten Tage extrem viel Streß und vorgestern tat ich etwas untypisches für mich!

Normalerweise bin ich für Andere da, ich stelle meine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, notfalls zwinge ich mich sogar zu Dingen, um Anderen zu helfen. Viele Menschen nutzen einen aus, wenn sie dahinter kommen, was sehr traurig ist, aber für die netten und dankbaren Personen in meinem Leben, mache ich es sehr gerne und es erfüllt mich.

Ich hatte mal von einem Arschengel in meinem Leben geschrieben und besagter Arschengel gab mir wieder einen wunderbaren Anlass etwas in meinem Leben zu verändern, positiv zu verändern, nämlich, dass ich für mich selber einstehe!

Eigentlich war ich eher der Typ, der sich hinter seinem Herrn versteckte und darum bat, z.B. nicht antworten zu dürfen, oder nur eine eingeschränkte Zeit zu investieren, jedenfalls sollte mein Herr solche negativen Kontakte reglementieren und fertig. Ich war aus dem Schneider, hatte keine Schuldgefühle, super!

Monsieur ist nicht der Typ dafür. Er mag Verbote nicht. Leider, denn Verbote zeigen mir Grenzen, meinen Platz und dass ich nicht selber bestimme, aber das ist ein anderes Thema. Also besagter Arschengel hat ein ewig gleiches Schema:

- ich bin nett zu dir, hilf mir bitte

- ich nehme deine Hilfe an, danke es aber nicht

- ich behandle dich scheiße

- ich mache dir Schuldgefühle, weil ich dich schlecht behandelt habe

- ich mache dir Vorwürfe

Wenn der Kontakt abgebrochen ist, meistens meinerseits, aber nicht immer folgt:

- ich entschuldige mich oberflächlich, sage dir, dass ich eigentlich dankbar war und nur Streß hatte und deshalb so war

- ich bin nett zu dir, bitte hilf mir...


Und der Kreislauf verkürzte sich zeitlich zusehends, so dass ich im Dauerstreß war, bombardiert wurde und mich nur noch schlecht fühlte.

Was tat ich diesmal?

Ich schrieb eine lange Nachricht, in der ich erklärt habe, dass ich nicht so behandelt werden möchte, dass man Menschen nicht so behandeln sollte und das Konsequenzen hat und dass mein Fass voll ist. Ich schrieb, dass ich das nicht verdient habe und nicht bereit bin, weiter etwas für diese Person zu tun.

Also was kam als Antwort?

Keine Enschuldigung, natürlich nicht, sondern indirekte Vorwürfe, warum ich daran schuld bin, denn die Person ist ja immer in der Opferrolle und dass ihr Verhalten angebracht und normal ist (was indirekt ja heißt, dass es meins nicht ist).

Egal, ich betonte abermals, dass ich das nicht mehr mitmache.

Danach war ich sehr stolz auf mich, weil ich für mich einstand und meine Bedürfnisse artikuliert hatte!

Naja, etwas später hatte ich doch Schuldgefühle, aber immerhin gemischt mit dem Stolz.

Das war ein wichtiger Schritt in meinem Leben.

Ich dachte heute also weiter über Emotionen nach und versuchte meine Beziehung mit Monsieur in einen besseren Fokus zu rücken, denn als Sklavin fühle ich mich im Moment wieder komplett überflüssig. 

Monsieur kuschelt mich, unterstützt mich, ist für mich da.

DS? Ich esse an meinem Tisch, auf dem Boden. Nachts die Kette. Ich frage, ob ich auf die Toilette darf.

Jedenfalls tut mir das nicht gut und ich fragte mich, wie viel Kontrolle mir im Moment gut täte und was zu viel wäre.

Ich dachte deshalb über emotionale Abhängigkeit nach, denn so wie Monsieur mich behandelt, stellt sich das nicht ein. Ich kann nach wie vor gut distanziert bleiben (bitte nicht mit kalt verwechseln!) und unabhängig in der Seele.

Wenn ich hörig, abhängig, auf ihn angewiesen wäre, würde mir das ja auch Angst machen, siehe meine vorletzten Einträge. 

Aber was ich eigentlich schreiben wollte war, dass ich denke, dass eine gute Sklavin in einem gewissen Maße stark sein muss, für sich einstehen können sollte. Nicht, dass sie es bei ihrem Herrn macht, das wäre unangebracht, aber eine starke, stabile Sklavin, ist sicher eine bessere Sklavin, als eine, die abhängig ist, klammert, sich verunsichert fühlt und die ganze Sicherheit lediglich aus ihrem Herrn zieht, denn wenn der mal schwach ist, bricht alles zusammen.

Bisher strebte ich aber so eine abhängige Beziehung mit Hörigkeit an, weil ich dachte, dass das die perfekte Herren/Sklavinnen Beziehung sein müsste. Sie abhängig, er hat alles in der Hand, der absolute Herrscher. 

Eher ein Märchen.

Nicht missverstehen, so wie wir es jetzt gerade wieder leben, ist es, in meinen Augen, alles andere als ideal, aber das Extrem was ich angestrebt hatte, ist sicher auch keine gute Option.

Eine starke Sklavin, bleibt freiwillig bei ihrem Herrn und nicht aus der Not heraus, das gibt dem Herrn doch auch Sicherheit und Vertrauen.

Das sind wichtige Punkte.

Dennoch hätte ich schon gerne mehr DS.

Ein gesundes Maß, was natürlich von Person zu Person verschieden ist und sich vermutlich auch, je nach Alltag, verschieben kann.

Aber im Moment leben wir gefühlt wieder nebeneinander her. Jeder macht sein Ding. Man schaut auch mal einen Film zusammen, aber nicht gemeinsam. So ein WG Ding, irgendwie. Obwohl, in einer WG wird weniger gekuschelt, nehme ich an.

Wie auch immer, es ist nicht gerade viel, egal wie sehr ich versuche, positive Dinge ins Licht zu rücken.


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