Mittwoch, 10. Juli 2019

Schlösser im Kopf



Es ist so anstrengend. Dauernd denke ich es, sage ich es, schreibe ich es. Vielleicht setzt man dadurch den Fokus darauf und sieht überall nur noch Aufgaben und Arbeit und Prüfungen?

Ich weiß es nicht, im Moment ist es mir auch vollkommen egal.

Jeden Tag kommen neue Wackersteine in unser Leben gefühlt, in Wahrheit passiert glaube ich nichts zusätzlich, sondern schreitet einfach voran.

Die Zeit, bis die alte Wohnung fertig sein muss verrinnt zwischen meinen Fingern und mein Herr sagt dauernd, es ist doch auch nicht so viel, wird mit jeder Kiste weniger, aber mir kommt es vor, als zeigt mir jede Kiste weniger lediglich auf, wie viele noch vor mir sind!

Dieses zermürbende Gefühl macht mich total fertig und dann kommt mir unsere neue Wohnung nicht vor wie ein Zuhause, sondern eine Falle und ich fühle mich jetzt schon eingesperrt und gefangen, aber nicht positiv gefangen, wie wenn man in die Arme geschlossen wird und denkt: "Oh er hält mich, fest, gefangen, dass ist schön, ich will hier nicht mehr weg!" sondern eher wie ein zu kleiner Käfig, der nicht passen mag, obwohl unsere Wohnung wirklich toll eingerichtet ist und ich sehr viel mitbestimmen darf, so dass ich mich auch ja wohl fühle.

Aber ich fühle mich nicht wohl.


Vor ein paar Monaten wollte ich nichts sehnlicher und jetzt? Jetzt will ich einfach nur weglaufen. Jetzt kommt mir jede gepackte Kiste vor, wie ein ein Betonstein, der mich weiter runter zieht.

Wir streiten viel, leider und dann möchte er hinterher, damit ich mich wohl fühle? Oder er keinen Vorwurf bekommt DS abzubrechen? Keine Ahnung, jedenfalls möchte er dann alles wieder richtig/gut/passend machen und seine Regeln durchsetzen und ich bin dann nur auf Krawall gebürstet und habe ein absolutes "gegen ihn" Gefühl und würde alles tun, nur nicht mich fügen.


Dann zog ich mich in die Badewanne zurück, las ein wenig und dachte nach und hatte einen früheren Satz aus meinem Profil im Kopf, der in etwa so ging: "Besser man lockt mit Belohnungen, als durch Strafen zu zwingen."

Und so ist es mittlerweile. Es heißt: "Geh sofort vom Sofa runter, sonst!" Das mag ja mal Pfeffer sein und angenehm und spannend, aber wenn man gerade gestritten hat, sagt man höchstens: "Mach doch!" und wehrt sich verbissen, bis aufs Blut.

Dann müsste man erst einmal wieder ein Miteinander erschaffen und das sagte ich ihm, als er duschen ging. Die Dusche ist genau neben der Badewanne, was es angenehm macht, denn ich dusche gerne mal in der Badewanne und wenn man sich nicht zusammen in eine quetschen mag (man bekommt dauernd beim Auswaschen der Haare sein Schampoo ins Gesicht), kann man trotzdem zusammen duschen.

Wir müssen also dahin zurück, wo ich auf die Frage wie ich denn bestraft werde, reinen Herzens antwortete: "Gar nicht, warum auch? Ich will ihm ja dienen und wenn ich mich an etwas nicht halte, hat es seinen Grund, dann fragt er, warum und wir reden darüber. Mutwillig verweigern ist nicht meine Natur."

Jetzt ist es eher Gegenteilig, nur noch ein  dem anderen nicht gönnen wollen und jede Aufgabe von ihm, ist eine gemeine Herausforderung und eine Provokation. Gar kein Miteinander mehr vorhanden also.

Es saugt einen aus und man fragt sich immer wieder, warum man zusammen ziehen wollte, wie man den anderen überhaupt lieben konnte und hat so eine innere Wut! Klar gibt es dazwischen kleine Lichtblicke, in denen man dann wieder das frühere erkennt, aber ich kann sie nicht lange festhalten und schon sind alle Schutzmauern wieder oben und man kann nicht nachgeben, wenn man sich schützt und vermutet, der andere will einem nichts Gutes tun.

Also öffnen, nicht strafen, sondern belohnen, den anderen gut tun wollen und versuchen ein Miteinander zu erschaffen, damit man überhaupt offen sein kann.

Man muss sich doch wohlfühlen können.


Wie oft schrieb ich in diesem Text Zwänge, indem ich muss, will usw benutzte? Alles ist nur noch Zwang. Geht so nicht, muss massiv bekämpft werden um wieder ein darf, möchte, gerne einsetzen zu können.

Ich bin nicht gut im schwach sein, wenn ich erst einmal Angst haben muss, von meinem Gegenüber verletzt zu werden. Ich bin im Moment vollkommen aufgeschmissen.

Als ich aus der Wanne kam, setzte ich mich in meine Ecke und wollte zu schreiben beginnen. Er brachte mir einen Kaffee (bekomme ich nur selten) und kettete mich an. Kein Vorwurf, dass ich mich ohne zu fragen gesetzt hatte. Er macht den Anfang, immer macht er den Anfang, da ich nicht in der Lage bin und selbst zum hinterher nachgeben, wenn er schon den Anfang gemacht hatte, bin ich nur sehr schwer in der Lage.

Zu lange lebte ich mit einem ausgewachsenem Narzissten zusammen, bei dem man nie nie nie nachgeben konnte, sonst war man verloren. Jede kleinste Schwäche wurde ausgenutzt, dann schafft man sich eine harte Schutzrüstung an und die abzulegen und auch nur mal einzulenken ist harte Arbeit, aber wir waren doch schon so weit! Ich hatte öfter nachgeben können, einlenken können, nach seinem ersten Schritt und alles ist wieder weg. Verloren hoffe ich ja nicht, aber verschollen. Nun ist Fingerspitzengefühl gefragt, aber hat er die Geduld und Muße dafür?


Wir lernten uns kennen, dachten vom anderen, das sei nun die Erfüllung, der perfekte Mensch und so froh über einander und konnten dem anderen Schwächen zeigen, daran arbeiten und sie nicht immer wieder aufploppen lassen, sondern darüber lachen und später versuchen es besser zu machen und nun sitzen wir hier, beide in Schutzrüstungen, mit Schutzmauern, im Schutzbunker und bombadieren den jeweils anderen.

Finden wir zurück?
Man es kostet mich so unendlich viel Kraft und ich will es nicht einmal!

Wir wollen doch nur unsere Ruhe. Mal durchatmen. In Ruhe sein dürfen, wie wir sind.
Endlich ausleben, leben, genießen.

Statt dessen vermiesen wir es uns gegenseitig.

Das kann nicht sein, darf nicht sein.


Ich darf mich nicht gefangen gehalten fühlen, wie ein Vogel, der sich zu sehr nach der Natur und Freiheit sehnt, sondern wie in einem gemütlichen Nest, beschützt und gepflegt, so dass einem nichts fehlt und man gar nicht weg möchte...

Statt dessen halten mich nur Ketten, statt Deiner Hände...




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