Dienstag, 26. Oktober 2021

Ratlos

 Ich weiß nicht, wie ich den Blog weiter führen soll. 

Monsieur hätte gerne einen „schön Wetter Blog“, in dem alles töfte ist, ich hätte auch gerne so einen Blog, aber dann müsste ich alles erfinden und mir ist Authentizität wichtig und steht an erster Stelle. 

Klar kann und muss man manchmal Dinge weg lassen, oder leicht verändern, wegen Außenstehenden, oder weil es zu intim wäre, aber das dürfen nur Kleinigkeiten sein, sonst fühle ich mich wie eine Lügnerin. 

Monsieur fühlt sich regelmäßig angegriffen, angeprangert, falsch dargestellt, bloß gestellt, in die Ecke gestellt, was weiß ich. 

Ich kann es nur grob schildern, anreißen, vorsichtig formulieren, sobald Kritik enthalten ist, geht er spitz. 

Wie soll ich dann diesen Blog führen?

Einträge die ich im Kopf habe, schreibe ich gar nicht erst, oder ich schreibe sie, stelle sie aber nicht online. 

Es fühlt sich an, wie mundtot gemacht zu werden. 

Ich würde gerne schöne Dinge berichten, aber es gibt es da?

Ich meine, aus DS bezogen, was gibt es zu berichten?

Meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Sehnsüchte. 

Aber was erlebe ich?

Gute Vorsätze, die nach dem Aussprechen verschwinden. 

Ich habe gefragt, gebeten, gefordert, provoziert und gebettelt, aber nichts bringt was. 

Ich habe gewartet, Zeit und Raum gegeben, in Ruhe gelassen und einfach abgewartet. Aber auch das ändert nichts. 

Monsieur sagt oft, dass er DS als Arbeit sieht, noch eine Baustelle, noch mehr Arbeit. 

Ich sage, das jede Beziehung Arbeit ist, ob mit DS oder nicht, ist egal. Wenn da Menschen sind, die zusammen leben und miteinander agieren müssen, ist es immer Arbeit, Harmonie entstehen zu lassen. Dann muss Kresse zurück stecken, Kompromisse finden und ein Miteinander erschaffen. Das fällt nicht in den Schoß. 

Ich bin ratlos. 

DS wird durch Monsieur immer negativer belegt. Immer entstehen Konflikte, so dass ich auch keine Lust mehr auf DS habe, aber nicht auf DS an sich, sondern auf DS mit Monsieur, weil es nur Streit gibt. 

Gestern schrieb ich wieder einen Eintrag. Vorsichtig formuliert, auf Zehenspitzen geschrieben. Ich nahm ihn umgehend offline und schickte ihn Monsieur per Mail, damit er es lesen kann, wann es ihn zeitlich passt. 

Er sagte später zwei belanglose Sätze dazu. Bedankte sich für den Einblick und ja, wir müssen etwas ändern. 

Abends sagte ich, dass wir mal reden müssen. 

Monsieur legte eine Decke auf den Boden, ließ mich die knien, vor seinen Füßen, rücken zu ihm, streichelte meinen Rücken. Ein Gespräch gab es nicht. 

Heute Morgen wusch ich mich, war also nackig und dachte, ich überrasche ihn mal und kniete mich auf das Kniekissen im Büro. Hätte ich mich angezogen in den Lesesessel gemümmelt, hätte es keinen Unterschied gemacht. 

Monsieur hatte nach Pullis in einem Shop geschaut und wollte sich mit mir über die Farben austauschen, erklärte welche Wollsorten usw. es zur Auswahl gab. Ich kniete da, er hatte mich angeschaut, es  gab keine Reaktion, also wurde ich ein wenig fordernder. Ich hasse es das zu tun. Ich hatte mich geräuspert und gesagt, dass ich hier gerade knie. 

Dann kam er mit seinem Stuhl rüber gerollert, kraulte kurz meinen Kopf und shoppte weiter. 

Ich beschwerte mich, der Wortlaut fällt mir nicht ein, ich weiß aber, dass ich auf die Sprache geachtet habe, weil ich Rosenberg im Kopf hatte (gewaltfreie Kommunikation).

Daraus entstand dann auch wieder eine Diskussion und seit dem habe ich zwei Dinge im Kopf. 

1. Selbst knien macht mich nicht mehr glücklich und fühlt sich falsch an, dabei war es früher wie eine Powerbank für meine Seele und war mir extrem wichtig, aber mittlerweile ist auch das nur noch negativ getriggert, weil Monsieur es entweder gar nicht fordert, oder wenn, dann mit mir diskutiert und streitet. 

2. Immer geht es um Monsieurs Bedürfnisse und was ich für ihn tue und was er sich wünscht und wie es ihm geht. Gefühlt komme ich nicht vor. Spreche ich meine Bedürfnisse real an, ist der nächste Satz auf ihn bezogen, wie es ihm geht, wie er leidet, wie schlimm alles für ihn ist. 

Sollte der Herr nicht auch auf seine Sklavin achten?

Und ja, es geht immer darum, wie schlimm alles für Monsieur geht, aber wenn ich hinterfrage, was er mit „alles“ meint, bekomme ich keine klare Antwort. Ich möchte nicht als Problem gesehen werden und erst recht nicht, als Verursacherin allen Übels. 

Für mich gibt es also neue Eskalationsstufen. 

Ich kann nicht mehr offen kommunizieren, erst nicht im persönlichen Gesprächen, dann auch nicht mehr hier. Dieser Blogeintrag wird auch wieder eine Riesen Welle auslösen. 

Mir wird mein Lebensmittelpunkt immer mehr vergiftet. Klar bin ich auch Mutter, aber mein letztes, bei mir lebendes Kind, ist bald aus dem Haus und umso mehr das Muttersein als Aufgabe kleiner wurde und wird, umso mehr ist da endlich wieder Platz für die Aufgabe als Sklavin, wie ich es mir auch immer gewünscht hatte, nur dass da keiner ist, der diesen Platz einnimmt. 

Selbst knien macht keinen richtigen Spaß mehr, ist für mich eine riesige Warnung. 

Wann werde ich mal beachtet? Es muss doch um beide gehen, in einer Beziehung.

Ich bin ratlos. 

Und der Konflikt, der durch diesen Eintrag ausgelöst wird, kostet mich jetzt schon alle Energie. 



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