Freitag, 6. März 2020

Kollabiert und wiedergeboren



Da gibt man sich gerade sehr viel Mühe, die Beziehung allem zum Trotz am Laufen zu halten, und dann geht plötzlich nichts mehr.

Es stehen nur noch böse Worte im Raum, kein Verständnis mehr dem anderen gegenüber und Wut, unendlich viel Wut und Verletztheit, Wunden und Schmerz.

So ging es uns vergangene Nacht, und er schaute mir mit dem Schlüssel fürs Halsband in der Hand in die Augen und wollte wissen, ob ich es ernst meine, ob es endgültig sein soll, und ich sagte ja.

Statt mir das Halsband abzunehmen, legte er den Schlüssel zurück und verließ den Raum.
Also nahm ich ihn und legte mein Halsband ab.

Ein absoluter Notfall, keine andere Option mehr im Kopf, damit man aus dieser Situation heraus kann, denn Leid von beiden Seiten kann zu nichts führen.

Und ja, ich war mir sicher, ich war mir absolut sicher. Zu oft wurde ich verletzt, als dass ich nochmal vertrauen könnte, als dass ich ihm auch nur ein positives Gefühl gegenüber aufbringen könnte, als dass ich überhaupt nochmal mit ihm reden wollte.

Getrennte Betten, getrennte Räume, in beiden viele Tränen, viel Schmerz, viel Unverständnis und kein Schritt aufeinander zu mehr möglich.

Nächster Morgen, übernächtigte Gesichter, Augenringe, keinen Hunger, kein Bedürfnis spürend und kein Wort wechselnd machte jeder sein Ding, bis er los musste, mir übers Haar streichelte und sagte, er habe mich dennoch lieb und ging.

Ich bekam kein Wort heraus, keinen Ton, nicht einmal einen Blick, ignorierte ihn, so verschanzt war ich hinter meinen Mauern, und kein Blick darüber mehr möglich.

Es gibt Dinge, die sagt man nicht, die kann man nicht wieder ungeschehen machen, die bleiben im Raum stehen, im Kopf saugen sie sich fest wie Blutegel und schmerzen penetrant weiter. Von der Sorge war so viel in uns zurückgeblieben, dadurch wurde jeder Gedanke, der zueinanderführen würde, bereits erstickt, bevor er seinen ersten Atemzug nehmen konnte.

Er saß in der Bahn, ich im Wohnzimmer, und gedanklich war man doch beim jeweils anderen.

Meine Gedanken zogen in die Richtung, wie es weiter gehen soll, weiter gehen wird.
Zeitgleich schrieb ich mit einem mir sehr wichtigen, befreundeten Dom, der mich nicht selten zurechtwies und mir sagte, was sich nicht gehört, wenn ich es am allerwenigsten hören mochte, schrieb mit ihm, dass ich es nicht hätte tun dürfen, es nicht mein Recht war, und dieses Mal führte er mich nicht zu meinem Herrn zurück, sondern wies mich eher darauf hin, dass auch ich irgendwann nicht mehr einstecken kann, und alles tat so weh. Gedanken an die Zukunft taten weh, Gedanken in der Gegenwart ebenso und Gedanken Richtung Vergangenheit auch.

Dann lenkt man sich ab, versucht irgendwie zu funktionieren, und plötzlich kommt eine Nachricht von ihm: "Du fehlst mir."

Manchmal genügen drei Worte, und eine Güllegrube macht sich selbstständig und alles, was sich aufgestaut hat, fließt aus einem heraus, und so überschüttete ich ihn mit Beschreibungen, wie er mich dauernd fühlen lässt, wie er mich aus meiner Sicht behandelt, und warum dies alles und noch viel mehr dazu führt, dass ich nicht mehr so leben kann, es nicht mehr ertrage und nicht weitermachen werde.

Sonst war seine übliche Reaktion ein Gegenangriff mit Beschuldigungen, Vorwürfen und Unterstellungen, heute jedoch kamen freundliche Worte zurück, aufbauende und wohltuende und auch Eingeständnisse. Ich wurde leiser und lauschte überrascht auf.

Er hatte begriffen, was er falsch gemacht hatte, was er hätte tun müssen und was er tun wird, und diesmal klang es nicht nach hohlen Phrasen, die ich direkt kommentierte mit etwas wie: "Jetzt sagst Du es so, aber passieren wird nichts, umgesetzt wird nichts." Nein, diesmal klang es anders.

Wenn man versucht, etwas zu erklären, was man selber zu wenig versteht, merkt es das Gegenüber natürlich und sonst war es genau so, man merkte, es ist eine Seifenblase, fragil und zum Zerplatzen verurteilt, lediglich ein kleiner Zeitfaktor, bis es soweit ist und bereits in Sichtweite.

Dieses Mal war es anders. Man hörte, er hatte sich Gedanken gemacht, hatte einiges begriffen und endlich einmal einen Durchblick finden können.

Natürlich gab ich nicht nach, schimpfte Widerworte und stellte beharrlich klar, dass es kein Zurück mehr gibt.

Er ließ sich davon weder stören noch beeindrucken, sagte lediglich, er verstehe mein Verhalten, gebe dennoch nicht auf und mehr noch, er wertschätzte mich sogar, sagte, wie wichtig ich bin und wo auch darin seine bisherigen Fehler lagen.

Ich weiß, Reden ist leicht, Handeln um so schwerer, weshalb ich mich damit nicht einlullen ließ.

Wir texteten eine ganze Weile hin und her, bis er mit dem Auto heimfuhr und nicht mehr antworten konnte und plötzlich in der Türe stand.

Ich ignorierte ihn weiterhin, und er ließ nicht locker, aber anders als sonst, ging er nicht über Kraft, Widerstand und Druck auf mich, sondern streichelte mich, auch wenn ich mich zu wehren versuchte, gab er mir nur ein wenig Raum, versuchte es erneut, zettelte ein belangloses Gespräch an, um mich abzulenken und besser an mich heran zu kommen, und so konnte ich nach und nach etwas Nähe zulassen.

Bisher hatte ich kaum Regeln, kaum Halt und Sicherheit und nahezu keine Struktur. So kann ich nicht leben, so kann ich nicht einmal funktionieren, so hetze ich herum, versuche es irgendwie hinzubekommen, gerate in totalen Streß, der mir sehr zusetzt, und bekomme hinterher kaum eine positive Reaktion, geschweige denn eine Hand, die mir hilft.

Nicht missverstehen, er hilft im Haushalt, wenn er mag oder ich darum bitte, das meine ich nicht, ich meine Hilfe, meinem Tag so viel Halt und Struktur zu verpassen, als dass ich nicht dauernd straucheln muss, mal beinahe stürze, mal nur taumle.

Nun hat er, wodurch auch immer, einen anderen Zugang zu meiner Erziehung gefunden, der einen Sinn für ihn ergibt, was ihm vorher fehlte. Plötzlich hat sich ein Knoten in seinem Kopf gelöst, und er hat herausgefunden, wie er meinem Tag nicht nur Struktur schenkt, sondern es ihm auch endlich Spaß bringen kann, für ihn sinnvoll ist und er damit in Einklang ist, so dass es anders als bisher, sein Weg ist. Er hat den Schlüssel gefunden, um mich endlich zu erziehen, was vorher kein Thema war.

Ich bin eine gute Sklavin, ich versuche, meinem Herrn zu gefallen und ihm Wünsche zu erfüllen, die er nicht einmal formuliert hat, aber das bringt alles nichts, wenn man dauerhaft zu wenig zurück bekommt, und man verkümmert. Genau so ging es mir.

Ich hatte das Gefühl, dass ich viel gebe und versuche, ohne Hilfe, durch Herumtesten, durch Versuchen und Scheitern, erneut daraus zu lernen und von vorne zu beginnen, jedoch im Gegenzug nicht einmal das Mindestmaß an Aufmerksamkeit zurück bekam, ja, auch keine Hilfe, keine Unterstützung, höchstens vielleicht den Hinweis, dass es so nicht richtig war, ohne einen Tipp, wie es richtig gewesen wäre.

Dauernd auch die Erkenntnis im Raum, dass er mich anders erziehen müsste, damit ich ihm besser dienen könne, ohne den Versuch mich zu erziehen, jedoch aber mit dem Hinweis, dass ich so nicht gut bin.

Sehr schwierig alles und dann noch eine Reihe an Alltagsproblemen und dies gepaart mit dem natürlichen Talent, dem anderen negative Absichten zu unterstellen.

Wie soll man so eine Beziehung führen?

Indem man erkennt, das es bisher falsch lief, man auch sieht, was genau falsch lief, und ganz wichtig, man einen Weg entdeckt, wie es endlich wirklich besser laufen kann.

Ein vollkommen neuer Ansatz, wie eine Wiedergeburt.

Komplett neue Regeln, neue Rituale, neue Ansprüche und auch noch Spaß daran, wie ich es mir immer für uns wünschte, und es kommt von ihm! Nichts davon ist von mir, alles aus seiner Fantasie, seinem Wissen, unseren Bedürfnissen, wie ein kompliziertes Puzzle zusammen gesteckt, so dass es ein fertiges Bild ergibt, und es ist ein schönes Bild.

Den Rahmen hat er bereits zusammen gesetzt, nun arbeitet er die fundamentalen Stützen aus, dann kommen die Details dran, und es kann funktionieren.

Das erste Mal bin ich wirklich davon überzeugt, es kann funktionieren, und es ist sein Weg, mit seinen Interessen, so wie es immer sein sollte, und ich bin sehr froh darum!

Er legte mir das Halsband wieder an und setzte gewisse Dinge direkt um, so gab es heute konsequent die Leine im Auto, und eine kleine Neckerei von meiner Seite wurde damit beantwortet, dass ich mit beiden Händen seine Schuhe berühren musste unterm Tisch, in der Öffentlichkeit und es gab noch einen netten, nicht leise gesprochenen Satz dazu, der mich erröten ließ.

Auch hielt er mehrfach inne, packte kräftig meine Haare oder meinen Nacken und zeigte mir mit einem intensiven Blick, wer hier der Herr ist, wo mein Platz ist, und ich wurde butterweich in mir.

Meine Vergangenheit war nie einfach, zu leider keinem Zeitpunkt, und so war ich gezwungen mich zu schützen, Mauern zu erbauen, höher und immer höher, meine kleine zarte Seele so gut es ging zu beschützen, und dabei vergrub ich sie immer weiter und weiter, so dass es mir ein Leichtes ist, direkt einen noch größeren Schutzwall zu errichten, sobald ich auch nur einen Anflug eines Grundes am Horizont erblickt habe.

Genau das ist ein Riesenproblem. Was früher mein Überleben und Funktionieren gesichert hat, ist heute eine eiskalte Wand, sobald ich mich angegriffen fühle, durch die man nur sehr schwer durch kommt.

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Mauer Stein für Stein abzutragen. Steht er sich selber dabei im Weg, indem wir streiten und er Druck ausübt, wird das nichts, jedoch hat er es heute mit Wertschätzung, Liebe, Wärme und viel Nähe geschafft, ein wenig wieder von der Mauer abzureißen.

Eine weitere Schutzwall-Aktion werde ich auch nicht mitmachen können, denn zu groß sind bereits die geschlagenen Wunden, zu viel wurde gesagt und zu stark auf meine Seele eingeschlagen.

Wenn er aber diesen heute eingeschlagenen Weg kontinuierlich verfolgt, ich endlich mit auf seinem Weg gehen darf, ihm folgend, dann wird es einerseits unendlich einfacher für mich, weil ich endlich ich sein kann, andererseits unendlich schwer, weil es so viele alte Wunden gibt, die dann aufplatzen werden, wie Eitergeschwüre und endlich verheilen müssen.
Anders kann es scheinbar nicht gehen, wobei das seine Erkenntnis war.

Manchmal muss man innerlich sterben, um neu geboren zu werden, damit man dann eine Vision hat, die es sich umzusetzen lohnt, weil sie den gemeinsame Weg darstellt, der beide vereinen wird, auf eine Art, die beide so vollständig miteinander verwirkt, als dass es nicht mehr zwei Persönlichkeiten sind.



Keine Kommentare:

Kommentar posten