Montag, 20. April 2020

Blättersammlung

Wir alle sind keine ungeschriebenen Blätter, sondern haben bereits einige Kapitel hinter uns und hoffentlich noch viele vor uns.

Wir haben Geschichte, Vergangenheit und innere Dämonen.







Einerseits finde ich es recht interessant, wie verschieden unsere Einträge wahrgenommen werden, andererseits zeigt es doch auch recht gut, dass jeder seine persönlichen Trigger hat, die die Sicht beeinflussen und die Überschrift der Schubladen schreiben.

Man liest in jedem Blog immer eine Sichtweise, ein kleines Fenster von einer Beziehung, nie das große Ganze. Wie auch? Müsste man alle Zusammenhänge dokumentieren, würde der Umfang alles sprengen, also ist man gezwungen, kleine Einblicke zu geben.

Nochmal, ganz wichtig, wir schreiben den Blog nicht für andere. Wenn andere ihn lesen, sich darin entdecken, ihn interessant finden, dann freut es uns sehr, dennoch ist er eigentlich für uns persönlich und wir gewähren anderen ein Stück unserer Privatsphäre zu durchbrechen.

Wir schreiben ihn nicht, um irgendeinen Effekt zu erzielen, ein Bild zu erzeugen oder uns zu profilieren.

Eigentlich begann er damit, dass ich meine Gedanken meinem Herrn sichtbar machen wollte und es nahm eine eigene Dynamik, bis wir nun ein Erinnerungsalbum haben, ein Problemabladeplatz und eine Kommunikationszentrale für Ungesagtes.

Dennoch ist es nur ein winziger Teil unseres Lebens und immer eine Momentaufnahme!






Es gibt ganz viele Puzzleteile, die hier vollkommen unbelichtet sind und bleiben und dennoch Einfluss auf unsere Beziehung haben. Schwarze Flecken, die der Leser nicht kennt und sich alleine deshalb schon kein Urteil erlauben kann, aber wie der Mensch so ist, macht er es natürlich trotzdem.

Nicht schlimm, es gehört dazu und jeder Gedanke ist wichtig und hat eine Daseinsberechtigung :)

Wie wir damit umgehen, ist allerdings auch unsere eigene Sache und nicht alles nehme ich ernst.  Ich höre mir alles an, ich beleuchte es, überdenke es und entscheide dann, was ich damit anfange und welchen Wert es hat.

Wenn man z.B. den Eintrag gestern liest, bekommt man scheinbar den Eindruck, mein Herr sei schwach und ich eine Zicke.

Stimmt!

Er ist nicht immer stark, ist ja auch keiner und ich bin nicht immer die brave, devote Frau, die ich gerne wäre, sondern auch mal eine Zicke. Eine Momentaufnahme eben, eine Art zu Papier gebrachtes Polaroid, dass eben nicht retuschiert wird, bearbeitet und verändert, bis es ein Bild ergibt, was allen schmeichelt, denn das wäre eine Lüge und Lügen hasse ich. Statt dessen bekommt man hier einen realistischen Einblick, voller Emotionen und Authenzität.

Es ist nicht immer schmeichelhaft, aber muss es das sein?

Für mich nicht, nein. Ich bin ein Mensch, mit Kanten, Ecken und Macken, die hat jeder, der eine steht dazu, der andere versteckt sich hinter eine schönen Fassade. Wer ist wohl zufriedener? Der, der sich verstellt, oder der, der sich akzeptiert, wie er ist? :)

Es zeugt z.B. von Stärke, wenn man über seinen Schatten springt und die Sichtweise des anderen einnimmt, auch wenn es bedeutet, dass man sich selber vielleicht dann weniger mag, für den Moment.

Ich muss nicht immer total devot kommunizieren, ich darf auch mal wütend und zickig sein, das ist ein Teil von mir.

So hat jeder Teile, die mehr oder weniger liebenswert sind, aber wenn der Partner sie trotzdem akzeptiert und annimmt, ist das auch wieder eine Stärke.


Hier zu lesen und zu urteilen, ob die Beziehung eine Daseinsberechtigung hat ist lachhaft.
Hier zu lesen und zu urteilen, wer wie ist, nicht sich verhält, sondern ist, ist auch lächerlich.

Es wäre, als würde man den Einband von einem Buch betrachten und meinen zu wissen, was darin steht, Wort für Wort.


Eine TPE Beziehung ist nicht einfach, sagte auch keiner und so gibt es immer wieder Ecken und Augenblicke, die eben nicht schön sind, dennoch vorhanden und betrachtungswürdig.

Wir erläutern hier unsere Sicht und setzen uns damit auseinander, was nicht jedem möglich ist. Man lernt daraus und kann sogar zurück blicken, wie man sich bereits entwickelt hat.

Klar gibt es sehr viele Tagebücher, die Sonnenscheintage noch und nöcher dokumentieren, was ich für etwas unrealistisch halte, aber das ist jedem selber überlassen und ich genieße den Luxus, dass wir authentisch sind und möchte davon nicht abkommen.

Wenn man dadurch denkt, man würde uns einschätzen und beurteilen können, zeigt es viel mehr, wie einfach gestrickt der Leser ist, weil er nicht begreift, wie facettenreich Leben wirklich sind.





Und am Ende ist das Ganze, auch nur ein winziger Einblick, von etwas viel Größerem, das andere nicht ermessen können, die es nicht miterleben. Sie betrachten ein Polaroidbild und urteilen darüber, ohne die ganzen Umstände drum herum im Blick haben zu können.


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