Donnerstag, 23. April 2020

Übersprungen

Meinen vorherigen Eintrag habe ich übersprungen. Er war zu intim und so lasse ich ihn auf "Entwürfe" stehen und mein Herr hat ihn und kann ihn weiterhin lesen.

Jeder hat seine Baustellen aus der Vergangenheit, die aufgearbeitet werden müssen, die Narben auf dem Herzen hinterlassen und wie ein dunkler Schatten über der Beziehung liegen.

Davon kann sich keiner freisprechen.

Jeder hat Trigger, die er mitbringt und das Leben nicht einfacher machen.

Es gibt Sonnenscheintage, Regentage und viele, die eine Mischung aus beidem sind.

Gerade gab es wieder einen Sturm, nun ist der Regen und Wind verzogen und die Sonne scheint :)






Wir haben uns ein paar mal bewusst zusammen gesetzt und besprochen, wie es weiter gehen soll.

Zu behaupten, TPE bedeutet, dass der eine immer bestimmt und der andere einfach folgt, ist sehr schlicht gedacht und zeigt nur, wie oberflächlich Gedankengänge sein können.

InWahrheit ist ein Balanceakt zwischen den Bedürfnissen beider, zwischen der Gesellschaft und anderen Rahmenbedingungen.

Vielleicht sollten wir einmal die Woche einen festen Zeitpunkt bestimmen, an dem wir die Woche Revue passieren lassen und reden.

Zwar sitzt man dank Quarantäne aufeinander, jedoch schmilzt die Zeit einfach weg, ohne dass man sie immer sinnvoll genutzt hat. Man neigt dazu, das Leben zu vertrödeln und abends ärgert man sich darüber.

Die Gespräche brachten mal mehr, mal weniger viel.

Veränderungen schlichen sich nun doch ein, ob sie bewusst sind, oder davon kommen, dass wir uns wieder wohlgesonnener sind, mag ich nicht zu beurteilen, ich freue mich einfach darüber :)

Wir waren zu sehr hinter unseren Schützengräben verschanzt, zu fixiert auf Schutz, Verletztheit und Gegenangriff, als dass wir noch aufeinander zugehen konnten.

Dann suchte ich aktiv Gespräche für Lösungen, mein Herr freute sich darüber und machte mit und gestern schrieb ich den recht langen, sehr intimen Eintrag, der ihm einen Einblick ermöglichte und auch aufzeigte, worin meine Probleme mit ihm liegen.


Im Moment ertappe ich mich dauernd dabei, darauf zu achten, wie ich schreibe.
Früher tat ich es nicht und erntete hier und da Nachrichten, die zeigten, wie unterschiedlich jeder meine Texte liest und dass sie dennoch immer wieder beurteilt werden, siehe meinen letzten Eintrag, da machte ich genau dieses Problem zum Thema und nun hinkt es mir noch hinterher.

Es kotzt mich einfach an, wenn ich nun frei von der Leber weg schreiben würde, was man wieder denken könnte, denn es ist meist grandios daneben und kommt von Leuten, die ganz andere Leben führen und dann sagen: "Bei mir würdest Du das nicht machen!" oder "Bei mir würde dies und jenes passieren!" und vieles mehr, aber die Wahrheit ist doch, es käme vollkommen anders und so, wie keiner damit rechnet, weil Faktoren rein spielen, die man nicht im Kopf hat!

Aber ok, ich versuche es auf meine Art und ggf. ernte ich eben wieder sonst was für Nachrichten....


Der Alltag ist im Moment sehr anstrengend. Man verbringt zwar viel Zeit miteinander, aber verliert im Alltagsgematsche oft, dass man Quality Time einbauen sollte. Bewusste Zeit miteinander, in der alles andere abgeschrieben ist, man sich aufeinander konzentriert und aufeinander eingehen kann.

Man hängt aufeinander herum, jeder macht ein wenig sein Ding, und hinterher fällt einem auf, was man hätte wirklich schönes mit der Zeit anfangen können.

Darauf werde ich nun mehr Augenmerk legen.

Jede Beziehung ist wie ein Gebäude. Man muss es ständig reparieren, renovieren, erneuern und darauf achten, wo gerade etwas abbröckelt, also dauerhafte Arbeit und das haben wir ein wenig schweifen lassen.

Sturköpfe würde ich uns nicht nennen, eher hat jeder seine eigene Welt. Wir sind schon arg unterschiedlich, in Sprache, Weltsicht, allem. War aber von Anfang an so und immer viel Arbeit.

Wenn wir nicht aufpassen, verhärten sich schnell die Fronten, der jeweils andere meint, man wolle ihm nur böses und schon sind da wieder die Schützengräben.

Reden, reden, reden und genau das ließen wir vergammeln. So geht es eben nicht.

Also ein paar Schritte zurück und mit Wohlwollen dem anderen begegnen und das hat funktioniert und dann dominiert mein Herr mich auch wieder lieber und lässt sich was einfallen :)

Regeln sind nach wie vor so ein Thema, er legt sich da, scheinbar, ungerne fest, fordert dann plötzlich  etwas ein, was für mich schwierig ist, weil ich dann denke, ich habe etwas falsch gemacht.

Ich muss seine Anrede einbauen, wenn ich mit ja und nein antworte und bei Fragen, aber gestern fragte er nach einem kurzem Satz: "Wie heißt das richtig?" hmm es war keiner mit ja oder nein und keine Frage, aber er forderte dennoch eine Anrede und ich war vor den Kopf gestoßen.
Zwar sagte mein Herr, er hätte es einfach gerne nochmal gehört und es war kein Fehler, dennoch fühlt es sich für mich wie einer an und das meint er, wenn er sagt, ich bin zu festgefahren.

Willkür ist schwierig für mich. Ich sollte dann vielleicht weniger hinterfragen, mehr gehorchen und reagieren, ohne eigene Gedanken.

Ebenso als ich mir einen Tee machen wollte. Eigentlich ist der morgendliche Tee festgelegt, danach kann ich auch anderen trinken und plötzlich fragte er, was für Tee ich mir machen möchte und ob ich gefragt hätte.
Verwirrung meinerseits.
Nun legte er fest, ich habe immer zu fragen.

Gerne übersehe ich Regeln auch, wenn ich mal wieder nachdenke was für Regeln ich habe. Dann fallen mir nicht alle ein und es kommt mir vor, als hätte ich nur ein, oder zwei Stück.

Wie auch immer, er nimmt das nun mehr und mehr in Angriff und fordert mehr, was mir sehr gut tut und ich sehr genieße.

Ich habe so einige Baustellen, die sich angehäuft haben, über die Zeit. Z.B. nehme ich nicht alles wörtlich, was er sagt und denke mir regelmäßig, er meint es doch sicher anders, er würde sich freuen, wenn ich es doch mache. Wenn er  sagt, ich solle das Frühstück nicht vorbereiten, er würde es gleich machen und dann erst noch im Arbeitszimmer verschwindet. Schnell doch das Frühstück vorbereiten wäre mein erster Gedanke, um ihm einen Gefallen zu tun, ihn zu entlasten und eine Freude zu machen, aber es macht ihm keine Freude. Da bin ich zu eigenmächtig und davon gibts noch ein paar andere Dinge.

Ich konzentriere mich im Moment darauf, wirklich zu hören was er sagt und nicht zu vermuten, was er wirklich wollen würde.

Wenn er etwas wirklich will und etwas anderes sagt, ist es genau genommen auch nicht mein Problem. Falls das mal so ist, dann würde er sich ja darüber ärgern, es nicht anders gesagt zu haben und dann muss er seine Wortwahl überdenken.
Ich sollte es mir da dringend einfacher machen und wirklich nicht hinterfragen, sondern straight machen, was er sagte, Wort für Wort.

Ebenso habe ich mich wieder mehr mit der Psychologie der Sprache befasst, also wie man miteinander sprechen soll, was der andere in Wahrheit sagt, wenn er gereizt rüber kommt, solche Dinge.

Wichtigster Punkt auf meiner Liste, wenn es darum geht lautet: Keine Umkehrungen und Verneinungen benutzen.
Man soll also nicht sagen: "Ich mag nicht, wenn Du das und das machst." da würde man sich nicht gut aufgefordert fühlen, aber wenn man sagt: "Ich mag es lieber, wenn Du es so und so machen würdest.", dann schwingt eine Bitte mit und Wohlwollen, man sagt auch direkt, was man möchte und es ist keine Umkehrung drin, die für den anderen ja auch wieder etwas anderes bedeuten könnte.

Also heißt es, wieder mehr auf die eigene Sprache achten und je nach Stimmung, auf die meines Herrn.
Konzentration!

Weniger reden meinerseits ist dann auch einfacher, stiftet weniger Verwirrung und kommt dem, was er in seinem Regelwerk schreibt, näher.

So und nun trinke ich in Ruhe meinen Tee fertig und lese vielleicht gleich ein wenig. Ich fühle mich krank und ein wenig elend und so so müde.

Bleibt alle gesund :)




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