Sonntag, 23. August 2020

Unischtbar

Die letzten Tage waren ruhig.
Wir hatten viel zu tun.
Ich bin erkältet, fühle mich schlapp, müde, träge, unwohl.
Jeder machte eher so sein Ding, weniger Zeit miteinander, doch dennoch in einer Wohnung.
Ein wenig Luft zum Atmen, ein wenig Ruhe, ein wenig Entspannung.

Der rote DS Faden ist irgendwie abhanden gekommen.

Wir waren eigentlich gut dabei, mein Herr ließ mich regelmäßig knien, drückte sich eindeutiger aus, ohne dass alles wie eine Bitte klingt, mehr Verlangen und Aufforderung im Tonfall.

In der kurzen Phase entstand auch das Bild.




Wenn er merkte, dass ich zu gestreßt war, rief er mich ins Büro und ließ mich knien, benutzte mich als Schemel, schenkte mir eine kleine Ruhe-Insel, die ich ausgiebig genoss, mich bedankte und entspannter weiter dem Leben strotzen konnte.

Es schlich sich irgendwie aus, ich weiß gar nicht wodurch. Es passiert immer unauffällig, als wenn einem etwas weh tut und man merkt gar nicht, sobald der Schmerz endet, lediglich fällt einem auf, dass er weg ist, aber seit wann, weiß man nicht mehr.

Heute bei einer Autofahrt traute ich mich nach Tagen zu fragen, warum er mir nicht mehr im Auto die Leine anlegt. Sie liegt zwischen uns auf der Konsole und das wars.
"Weil Du sagtest, sie sei unnütze und hat keine Bedeutung."

Stimmt. Hatte ich gesagt.
Die Situation war etwas her. Mein Herr hatte die Leine automatisch am Halsband befestigt und fuhr los. Immer öfter vergaß er sie, wenn er ausgestiegen ist. Manchmal riss er dann beim Aussteigen dran und merkte es lediglich, durch einen Schmerzenslaut meinerseits.
Dann lag sie zunehmend irgendwo herum, zwar am Halsband befestigt, jedoch das andere Ende der Leine lag mal irgendwo auf seiner Seite heruntergerutscht, mal auf der Mittelkonsole, mal auf meiner Seite im Fußraum, er bemerkte es nicht und dann sagte ich, dass sie so keinen Sinn für mich hat, wenn sie zwar befestigt ist, aber irgendwo vergessen hängt, denn dann hat sie keine Bedeutung.

Nun ja, seit dem ließ er sie eben liegen.
Eine einfachere Lösung, als ihr wieder Bedeutung und Sinn zu geben, muss ich schon sagen.

Dann sitze ich wie heute im Auto, schaue traurig die Leine an und denke mir: "Eigentlich ist es im Moment ja nicht nur die Leine... es wurde immer mehr. Die Sinnlosigkeit der Leine hat sich ausgebreitet und übergegriffen und was haben wir im Moment noch?"

Tja...

Ich benutze häufig die gewünschte Anrede. Also eigentlich hatte ich sogar begonnen mir richtig Mühe zu geben, vor allem im Alltag, wenn man eben nicht so sehr den Fokus auf DS hat, genau dann besonders auf die Anrede zu achten und beim Einkaufen zum Beispiel, oder anderen Terminen ihn damit anzusprechen.

Anfangs freute es ihn, er sagte es deutlich, streichelte mich, nannte mich Tierchen und meine Welt war rosarot, warm und schön!

Auch das versiegte.

Heute hatte ich wieder besonders darauf geachtet, so wie in den letzten Tagen und saß also im Auto und war brav, befolgte alles und er überhörte es.
Klar, ich erwarte nicht, dass er es immer sagt, dass er immer zu verstehen gibt, dass er es bemerkt oder schätzt, aber so zwischendurch mal?

Nein, heute war es normal, war es bequem, so wie ich bequem bin.

Ich hasse das.
Ich hasse es so sehr!

Wenn man eine brave, artige Sklavin ist, sich nicht beschwert, alles korrekt macht, seinem Herrn das Leben vereinfacht, möglichst vieles abnimmt und es ihm muggelig gemütlich macht, dann wird es nach und nach zum Standard und bekommt keine Beachtung mehr, obwohl man sich ja weiterhin anstrengt, Mühe macht, sich Gedanken macht und dafür arbeitet, dass er es schön hat.

Ich heule schon fast beim Schreiben.

Muss man denn eine ungezoge Zicke sein, damit man dann wieder brav sein kann? Damit der Herr dann wieder bemerkt, dass man brav ist? Damit der Gegenpol spürbar ist und man weiß, was man an seiner Sklavin hat? Ist das der einzige Weg?

Ich hatte ein Lob für das Frühstück bekommen, weil ich es schön (wir mußten eilig aufbrechen) angerichtet hatte und gut organisiert hatte, trotz Zeitmangel.

Danach kam nichts mehr.

Die letzten Male kniete ich unaufgefordert, weil ich artig sein wollte und hätte ich es nicht getan, wäre es auch in Ordnung gewesen.

Das macht mich so traurig.

Man öffnet sich seinem Herrn, man investiert alles was man hat in ihn. Man baut seine Schutzmauern ab und zeigt sich verletzlich und versucht durch Mühe und Arbeit, damit es ihm gut geht, zu zeigen, dass man alles für ihn tun würde und bekommt keine Reaktion, weil es halt normal ist.

Hört man auf damit, dann ist man böse, gemein, bekommt Donnerwetter und Streit.
Macht man es, ist es ok und hat Ruhe.
Die Bedürfnisse die man hat, die werden so oder so nicht gestillt.
Funktioniert man, hat man aber wenigstens keinen Streß.

Sollen das meine einzigen Optionen sein?

Morgen steht wieder ein Tierarzt Termin an. Es darf nur einer mit dem Kater rein gehen.

Ich hasse es!
Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich es hasse!

Früher hatte ich eine Nadelphobie, eine Blutphobie (so heißt es, wenn man von Blut ohnmächtig wird) und Panik in Krankenhäusern. Selbst zum Arzt zugehen ist für mich ein riesen Ding!

Dann wurde ich chronisch krank und mein Alptraum begann. Ich mußte lernen mich damit auseinanderzusetzen, damit umzugehen.

Blut kann ich teilweise sehen, ohne ohnmächtig zu werden, weil ich eine Methode gelernt habe, dass mein Kreislauf nicht zusammenbricht. Dennoch ist mir schlecht, wird mir teilweise schwarz vor Augen und ich leide.
Wenn ich sehen muss, wie jemand gespritzt wird oder schlimmer noch, Blut abgenommen bekommt, ist es oft sehr schwierig für mich, dass ich nicht ohnmächtig werde und mir ist danach noch länger übel und durch die Angst bin ich total ausgelaugt und müde, der Tag ist quasi gelaufen.

Ich hatte früher einen Hund, der war mir sehr sehr wichtig. Mein Seelentier quasi. Ich habe ihn geliebt, man glaubt es nicht, außer wenn es einem selber schonmal so gibt. Gefühlsmäßig ein vollkommenes Familienmitglied!
Leider mußte ich ihn einschläfern lassen und es war einer meiner schwersten Gänge im Leben.
Bis heute sage ich, ich möchte keinen Hund mehr haben, ich würde es nicht nochmal überleben können, wenn ich ihn gehen lassen muss.
Wenn ich also zum Tierarzt muss, dann sind da ganz viele Trigger die mich beschäftigen und es geht mir wirklich schlecht davor, dabei und danach.

Mein Herr verlangt dass ich rein gehe, denn seit unsere Katze eingeschläfert wurde, muss er immer daran denken und leidet. Verstehe ich sehr gut! Geht mir ja auch so. Dennoch muß ich dann rein, weil ich damit besser umgehen kann, sagt er. Besser umgehen können heißt an der Stelle, dass ich eine bessere Fassade habe, denn in Wahrheit gehe ich nicht besser damit um, nur zeige ich es nicht.
Und, weil ich bei schlimmen Botschaften noch klarer denken kann, die richtigen Fragen stellen und mich nicht umhauen lasse.
Ja, das habe ich lange lernen müssen, weil ich oft solche Botschaften bekam und ja, anfangs ließ ich mich auch davon umhauen und mußte dann hinterher schauen, woher ich Antworten bekomme auf Fragen, die ich akut nicht mehr stellen konnte, weil mein Kopf vernebelt war.
Ja, ich kann das mittlerweile, aber der Weg dahin und wie viel Mühe es mich kostet und was es für mich bedeutet, das wird auch hier wieder übersehen, weil ich es eben mache, weil ich mich eben zusammenreiße und es einfach durchziehe, weil ich denke, dass es eben keine andere Option dafür gibt und dann komme ich vom Tierarzt raus und er steht da und ist erleichtert, hört sich an was der Arzt sagte, hört sich an was gemacht wurde und das Thema ist durch. Was ich bezahlt habe dafür, was es mich kostet, das ist unsichtbar.

So vieles ist unsichtbar.

Wenn ich es anspreche, dann bekomme ich eine Reaktion, aber möchte man das? Möchte man immer darauf hinweisen, um dann beachtet zu werden? Sollte es nicht von einem selbst kommen? Ist es dann nicht direkt ein vergiftetes Lob?

Mein Ex-Ehedom hatte die Angewohnheit wegen jedem Mist zu sagen: "Das und das habe ich gemacht und jetzt kannst Du danke sagen."

Also ich meine ohne DS Zusammenhang, sondern immer, zu allen möglichen Leuten.

Wenn man dann danke sagt, meint man es? Fühlt man es? Sicher nicht, man ist genervt, peinlich berührt, sagt es aus Pflichtgefühl und ebenso sehe ich es, wenn ich anspreche, was ich geleistet habe, weil es mal wieder übersehen wurde. Es gibt mir nichts, ganz im Gegenteil.

Also sage ich nichts, ziehe mich in mich zurück, werde traurig, streße mich sehr darin ab, noch besser zu werden, noch mehr zu leisten, noch mehr zu tun, damit es dann vielleicht doch wieder gesehen wird und ich bin so durch und durch gestreßt, dass ich kaum noch zur Ruhe komme.

Dann empfinde ich es als Ruhe, wenn wir weniger Kontakt haben und in den Momenten, in denen wir  uns sehen, möglichst zu strahlen, nur um hinterher zu bemerken, dass es nicht gesehen wurde.

Und dann sitzt man da, macht sich Gedanken über Sinn, über Mühe die man sich sparen könnte und wo das Gras vielleicht grüner wäre, weil es wenigstens anfangs von jemand anderem eben nicht als selbstverständlich gesehen wird.... aber nur anfangs...




Kommentare:

  1. Das kenne ich gut, liebe Bianca. So ein Seelentier war mein Hasso. Eine ähnliche Beziehung hatte ich zu meiner langjährigen Katze Moglie, die ich letztes Jahr habe ebenfalls so gehen lassen müssen. Sie war mir immer ein treue liebe Seele. Wenn unser erste Begegnung im Tierheim eher nicht so Harmonie war. Sie war ein problem Katze die durch negative Haltung, ein trauma Erlitten hatte. Irgendwie passte sie deshalb zu mir. Längere Geschichte. Ich hatte Moglie gut 20. Jahre. Wir waren eine Gemeinschaft. Sie war unbeschreiblich und halft mir bei Kummer und Streß. Daher vermisse ich sie wie auch meine Hasso. Den ich als Jugendlicher lange hatte. Tiere sind wesentlich in meiner Leben gewesen.

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