Montag, 15. Juni 2020

Rohrkrepierer





Gestern Abend, nahm mir mein Herr das Elektroschock Halsband ab und erklärte, er würde es morgen nicht wieder anlegen, weil es ja übertrieben sei, weil es ja wie eine Strafe ist und ich ja nicht dauerhaft gestraft werden solle und das ja nun so nicht der Sinn war.

Gestern hatte er auch erklärt, vormittags, dass er es mir morgens anlegt, wenn ich in meinen Arbeitstag starte, damit ich meinen Platz habe, damit er mich rufen kann damit, damit es mir bewusst ist und ich keine Ausflüchte habe.

Wow.
Mal eben wieder der Teppich unter den Füßen weggezogen.

Heute starteten wir also wieder wie jedes normale Paar in den Tag, indem wir aufstanden, er Brötchen holte, ich den Tisch auf dem Balkon deckte und mit ihm am Tisch saß.

So ging es weiter, weiter, weiter.

Als er dann arbeiten fuhr, durfte ich mit und fragte wirklich zaghaft, wo ich denn heute DS hatte.

Ich hatte mich kaum getraut zu fragen, wegen dem, was dann auch folgte, weil ich davor Angst hatte, weil es eine riesige Lawine ist, weil es einen überflutet, überschwemmt und man erstickt darunter, was dann kommt.

Ich versuche wirklich genügsam zu sein, ehrlich!

Ich bin brav, ich bin so brav, wie ich es nur sein kann. Außer, dass ich mal schmutzige Wörter in den Mund nehme, weil ich lustige Schimpfwörter mag, mache ich doch gar nichts.

Ich gehorche, ich versuche schon vor seinem Wort Wünsche zu erfüllen, ich zerbreche mir den Kopf darüber, was ich für ihn tun kann, wie ich es ihm schöner machen kann.

Und dann?

Dann ist das Elektrohalsband zu viel für ihn.
Dann gibt es keine Rituale mehr, weil sie keinen Sinn machen.
Dann gibt es fast keine Regeln und die Regeln die es gibt, gibt es, weil ich sie einhalte und nicht in Frage stelle.

Was bleibt dann?

Wo habe ich meinen Platz?
Durch was habe ich meinen Platz?

Dann durfte ich mir anhören, dass ich vielleicht nicht genug im Leben habe, dass mich ablenkt. Dass ich vielleicht wirklich mehr außerhalb machen muss, damit ich für DS keinen Kopf mehr habe, oder doch wenigstens weniger Kopf.

WOW!

Was ist das für eine Aussage?

Dann darf ich mir anhören, dass er es vielleicht doch alles nicht kann, dass es vielleicht doch nicht das Richtige für ihn ist, aber wenn ich darum bitte, dass er mir das Halsband abnimmt und mich gehen lässt, sagt er, ich würde immer direkt aufgeben und hinschmeißen und wäre nicht loyal.

Ehrlich gesagt kenne ich keine Sklavin, die so lange ohne bzw mit kaum DS leben würde und dann noch immer geblieben wäre.
So höre ich schon dauernd, dass andere Sklavinnen fremd gehen, lügen und betrügen und ich soll nicht loyal sein, wenn er sagt, er kann nicht, er zeigt, dass er nicht kann und ich darum bitte gehen zu dürfen, damit beide wieder glücklicher sein können?

Was wäre denn loyal?
Wäre es loyal, wenn ich bleibe, obwohl ich nichts bzw kaum etwas bekomme? Gut, das mache ich doch!
Wäre ich loyal, wenn ich bleibe, obwohl ich nicht mehr kann und nicht mehr möchte? Gut, auch das mache ich doch!

Warum bin ich nicht loyal?

Warum muss ich, damit ich meinen Lebensweg ändere und keine Zeit, keinen Kopf mehr dafür habe, mein Leben ändern? 

Ich verleugne mich doch bereits die meiste Zeit, aber es ist nicht genug... 

... es ist nie genug, egal was ich mache.


Mir schrieb ein ganz lieber Mailkontakt, dass ich sicherlich die Regeln der O kenne und mag.

Vorab, ich las das erste mal "die Geschichte der O" mit Anfang 20 und vorher sagte mir jeder, es sei soooo brutal und ich würde es nicht mögen. Damals gab es wenig bekannte BDSM Literatur und ich war natürlich super neugierig.

Was soll ich sagen? Ich war begeistert und abgeschreckt gleichermaßen.

Die Regeln sind toll!
Blick gesenkt halten, nur sprechen wenn man angesprochen wird, die Kleiderregeln, den Rock hochheben, bevor man sich setzt usw., toll!

Mit der Zeit hatte ich einiges davon auch (er-)leben dürfen und manches wünsche ich mir zurück, anderes finde ich nicht mehr so wichtig.

O hatte geliebt, bedingungslos geliebt und wo endet sie?
Wie wurde sie behandelt?

Mir wurde damals dadurch klar, dass Hingabe und Liebe kostbar sind und wenn man beides zu leichtfertig verschenkt, werden sie als wertlos angesehen und wie Müll behandelt.

Rare und seltene Dinge werden gut behandelt, aber was man hinterher geworfen bekommt und was man sich nicht erarbeiten muss, ist für viele dadurch nichts wert.


Ich bin so brav und er sieht es nicht einmal.
Ich bin so hingebungsvoll und er bemerkt es nicht.
Ich tue alles für ihn und er nennt mich illoyal.

Ich solle mir vielleicht mehr im Außen suchen, damit mein Kopf weniger Platz und Zeit für DS hat, was für Worte von einem Herrn...




Nachtrag:

Aktueller Stand:

Kein Bodenkissen mehr, ich darf aufs Sofa oder sonst wohin.
Keine Kuschelhöhle, sie verstaubt.
Keine Fake-Felle auf dem Boden, da ich ja überall hin darf.
Keine Nackthaltung, es interessiert keinen.
Keine Ketten, außer nachts und die Leine im Auto.
Keine Anrede, ich darf sogar seinen Namen nennen.


Ich bin so frei, wie jeder andere Mensch auch, aber ja, ich muss ja nur dringend mehr im Außen machen, damit es mir nicht auffällt und ich glücklich sein kann....




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