Sonntag, 1. Dezember 2019

Eintrag von meinem Herrn



Struktur, Konsequenz, Wertschätzung – oder der Mangel derselben.


Eine D/s-Beziehung, zumal TPE, lebt – neben dem emotionalen Grundgerüst, das jede Beziehung braucht – von drei Grundelementen: Struktur (ein übergreifendes Protokoll, das das Zusammenleben regelt – in Form von Regeln und Ritualen), Konsequenz (das fortwährende Überwachen und Einfordern des Protokolls, das Wachen über die Strukturen) und Wertschätzung (zum einen dadurch, das man die Wichtigkeit des Protokolls, die ja letztlich die Wichtigkeit der Beziehung ist, immer wieder herausstellt, indem man es überwacht und ggf. Abweichungen aufspürt und disziplinarisch ahndet, zum anderen dadurch, dass man die Einhaltung des Protokolls immer wieder positiv herausstreicht, lobt, zum Weitermachen ermuntert).

Fehlt eines dieser Elemente oder ist es vernachlässigt, gerät die Beziehung in Schieflage – und man fühlt sich nicht wohl. Von beiden Seiten; der Dom nicht, weil er seiner Verantwortung nicht gerecht wird, und die Sklavin nicht, weil sie in ihrer Demut und Unterwerfung nicht zur Geltung kommt.

Mangel an Struktur: man verliert die Rollenklarheit, gerade im Alltag droht beständig die Gefahr, dass der Dom von allerlei Einschränkungen abgelenkt, in Beschlag genommen wird und die Sklavin dann selbst für die Struktur sorgen muss (und sich vielleicht fragt, wofür sie überhaupt einen Dom hat).

 Struktur 




Mangel an Konsequenz: Das etablierte Protokoll wird nicht "gelebt", die Struktur deshalb als nicht sinnstiftend und im schlimmsten Fall als beliebig erfahren. Das ist auch auch schon der erste Schritt zum nächsten Mangel, dem an Wertschätzung, denn die Einforderung der etablierten Struktur ist vielleicht die wichtigste und vornehmste Aufgabe des Doms.

Mangel an Wertschätzung: das Erreichte wird nicht gewürdigt und scheint selbstverständlich zu sein. Was aber ist dann das Geschenk der Sklavin wert? Es wird verschwendet.

 Wertschätzung für eine Sklavin, die alles gibt 



In unserer Beziehung hat es alle diese Mängelerscheinungen gegeben; die Gründe sind vielfältig (und mit vollen Mülltüten ist das Phänomen nicht einmal im Ansatz beschrieben): der Alltag in all seinen Facetten fordert Tribute, und man kann vielleicht nicht immer Strukturen etablieren, die man gerne hätte. Aber, und da kann ich meiner Sklavin nur Recht geben: Wer nicht will, findet Ausreden, wer will, findet Wege.

Wenn es also Mängel in Struktur, Konsequenz oder Wertschätzung die Beziehung bedrohen, gilt es inne zu halten und sich an die Ziele zu erinnern und die eigene Person, die man in die Beziehung einbringt, genau zu betrachten. Und auch die Verantwortung, die man übernommen hat. Eine Beziehung wie die unsere ist eine große Verpflichtung auf beiden Seiten. Und wenn man aus den Augen verliert, warum man diese Verpflichtung auf sich nimmt, und im Alltagsnebel herumirrt, tut es Not, sich wieder das Schöne ins Gedächtnis zu rufen: die Intensität einer solchen Beziehung, die Möglichkeiten, die man auskosten kann, wenn man sich nicht ablenken lässt.

Zeit, wieder in den dunklen Keller zu steigen und da das Goldstück wiederzufinden, was dort eigentlich auf mich wartet.




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