Sonntag, 1. Dezember 2019

Hörner abwerfen




Vielleicht ist es an der Zeit, die Hörner abzuwerfen, das Haustierchen in den Winterschlaf zu schicken und sich dem Ursprung zuzuwenden.


Sich auf das zu reduzieren, was die Grundessenz der Seele ist.
Den Geist wieder zu schulen und dem Buddhismus erneuert mehr Zeit und Energie zu zuzuwenden.
Dem Köper wieder seinen Wert schenken, durch Yoga und laufen durch die Natur.

Wenn man sich selber aus den Augen verloren hat, sich zu sehr auf den Partner konzentriert hat, kann es nur gut gehen, wenn der Partner diesen Teil übernimmt und für einen sorgt, jedoch tut er dies nicht, hat man nichts mehr, dann zerrinnt alles zwischen den Fingern und man steht mit leeren Händen da.


Ich verbringe meine Tage fast ausschließlich durch den Haushalt, die Grundbedürfnisse abdecken, indem man Essen heran schafft, zubereitet und verspeist, dazwischen ein wenig am Handy spielen und ein wenig lesen, ein wenig fernsehen.

Hobbies? Vernachlässigt. Vieles vorgenommen, nichts gemacht.
Wirklich lesen? Vernachlässigt. Ich meine, indem man ein Buch verschlingt und es nicht aus der Hand legen kann/mag.
Sport? Vernachlässigt. Mal, weil mein Körper nicht konnte, mal weil keine Energie vorhanden ist und so gehe ich nicht wie früher 5x die Woche, kein mal seit Monaten.
Schöne Dinge machen? Vernachlässigt. Lieber sitzt man sich zuhause den Hintern platt, weil man zum Aufstehen keine Kraft hat.


Ich bin nur noch ein Schatten, von dem, was ich war.

DS kann einen glücklich machen, natürlich! Allerdings müssen gewisse Dinge erfüllt werden und man braucht zwei dafür.

Und wir sind zwei, die mehr nebeneinander einsam leben, als gemeinsam.

Die meiste Zeit ist negativ geschwängert vom Alltag, den man schlecht geredet bekommt, bis man keine Kraft mehr hat, sich dagegen zu stemmen und man darunter begraben wird, bis man vor lauter Sorgen nichts anderes mehr sehen kann.

Wenn selbst die kleinsten Aufgaben zum Problem geschimpft werden, und wenn es nur ist, dass er den Müll runter bringen möchte, aber die Tüte etwas voll ist, dann möchte man gar nicht erst darüber nachdenken, was sein soll, wenn es mal ein wirkliches Problem gibt. Wenn bereits der Gang zur Mülltonne ein Auslöser zur Flucherei und fast Ausraster ist, was soll dann sein, wenn das Schicksal einem gewaltig in die Fresse haut?

Ich bin stark.
Ich habe vieles überstanden.
Ich habe alles überlebt.
Ich habe gelitten, geheult, geflucht, geschimpft, aber ich hatte große Gründe dafür, die andere in die Verzweiflung oder schlimmeres getrieben hätte und ein scheiß voller Müllbeutel entlockt mir nicht einmal ein Seufzer, oder sonst eine Gefühlsregung, weil man es erledigt und dann hat man es hinter sich, kein Grund seine Stimmung beeinträchtigen zu lassen, oder gar vermiesen zu lassen. Lieber mache ich mir laut Musik an und tanze durch mein Leben, aber ich erinnere mich nicht einmal, wann es das letzte mal war, als ich fröhlich, sorglos herum tanzen konnte.


Ich hatte nie ein einfaches, oder gar leichtes Leben, dennoch war ich die meiste Zeit irgendwie glücklich im Moment und zufrieden.
Wenn man aber mehrfach jeden Tag hören muss, wie schlimm und schrecklich die Welt ist, lebt man unter einem großen, schweren, schwarzen Schleier, der einen nicht mehr atmen, nicht mehr sehen und nicht mehr fühlen lässt und das ist nicht meine Welt, tut mir leid.

Manchen Menschen kann man es nicht recht machen.
Manche Menschen kann man nicht glücklich machen, weil sie es nicht wollen.
Manche Menschen leben gerne in ihrem Unglück.
Manche Menschen brauchen es, unglücklich zu sein, weil sie Glück nicht ertragen.
Ich bin nicht manche Menschen.
Ich brauche es glücklich zu sein, zufrieden im Moment, im Augenblick.
Ich brauche es, die Farben zu erkennen, die Dürfte zu erschnuppern und laute Musik zu hören, damit das Herz hüpft! Klar, nicht jede Farbe ist schön, nicht jeder Duft riecht gut und nicht jede Musik gefällt einem, aber wie viel Aufmerksamkeit ich den Misstönen des Alltags verleihe, ist noch immer meine Sache und in der Hinsicht bin ich mittlerweile machtlos, weil es mich überflutet, erdrückt und erstickt und ich unter einer riesen Haube lebe, nein vegetiere.

Zum Ursprung zurück.
Zum Mittelpunkt der Seele.
Zu dem, was einen ausmacht, wer man ist.
Dort sich selber finden und sein inneres Glück wieder entdecken und zurück gewinnen, damit das Leben wieder durch einen hindurch strömt und man ein erfülltes Leben führen kann.

Wenn nötig, dann auch indem man die Ohren an den Nagel hängt und die innere Sklavin weg sperrt, damit man nicht permanenten Sehnsüchten ausgesetzt ist und leiden muss.


 

Ich kann sehr selbstständig sein und alles hin bekommen, alles organisiert bekommen und erreichen.
Nur wer selbstständig sein kann, kann seine Selbstständigkeit überhaupt aufgeben und verschenken.

Aber wenn das Geschenk nicht angenommen, nicht gewürdigt, nicht gesehen, nicht beachtet wird, dann sollte man es ruhig zurück nehmen und wegstellen, wegsperren und schützen, damit es irgendwann vielleicht nochmal verschenkt werden kann, aber bis dahin, sollte man sich auf seine Mitte, seinen Kern konzentrieren und sich wieder finden.

Als Sklavin werde ich ohnehin nicht mehr wirklich angesprochen, außer ich fordere es aktiv ein.
Ab und zu beim Sex vielleicht. Auch ein Stino kann nachts mit einer Kette geruhsam schlafen, also fällt mir ehrlich gesagt kein Grund mehr ein, warum ich mich dem aussetzen sollte.

Gestern bereits dachte ich lange nach, was mein derzeitiges Leben und das eines Stino unterscheidet und mir fiel nicht viel ein. Ich darf nicht aufs Sofa, aber meine Ecke hat einen Sessel und vor dem Sofa ist mein Platz, der ist sehr bequem, also egal.

Sonst entscheide ich mittlerweile ohnehin alles alleine, außer welchen Tee ich morgens trinke, aber den Rest vom Tag, habe ich alle Freiheit, es würde keinen Unterschied machen.

Wenn meine Sklavin keiner haben möchte, kann ich sie ebenso gut einfach wieder, wie in meiner Ehe, wegschließen.

Damals war es auch so, dass ich meinen jetzigen ExEhedom im Chat kennen lernte und er wunder was schrieb, wie er sich ein Leben voller DS vorstellen würde. Er malte alles in kunterbunten Farben aus, voller Ideen, Regeln, Möglichkeiten und Erlebnissen. Die Realität sah allerdings so aus, dass er nichts davon umsetzen konnte, aber unendlich viele Gründe und Ausreden dafür fand.
Wir hatten früh kein DS mehr, kein BDSM mehr und ich kämpfte über ein Jahrzehnt dafür, es doch wieder mit ihm leben zu können, indem ich Spielzeug kaufte, Angebote machte, mich grundlos unterwarf und alles mögliche versuchte, was fruchtlos war, denn auch da gehören eben immer zwei dazu.

Als es gar nicht mehr anders ging, aus Gründen die ich hier nicht nennen kann, war ich gezwungen mich zu endgültig zu trennen, wobei es lediglich der letzte Schritt war, denn seelisch waren wir schon Jahre zuvor unsere eigenen Wege gegangen.

Ich möchte nicht mehr Jahre unglücklich leben und hatte damals bereits gelernt, man kann auch alleine sehr glücklich sein, obwohl man nebeneinander her lebt, wenn man sein eigenes Ding macht und sich nicht zu sehr vom gewollten Unglück des anderen beeinflussen lässt.

Aber das ist alles vergangen.
Im Moment möchte ich einfach gerne wieder ich sein können, ohne mich erdrücken zu lassen, von negativen Gefühlen anderer und zu mir zurück kehren.

Wenn dies bedeutet die Hörner an den Nagel zu hängen, dann ist das nunmal so.


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