Dienstag, 21. Januar 2020

Alltäglicher Alltag

Die Frage, wie macht man DS im Alltag spürbar, stellt sich mir immer weniger, umso größer gewisse Sehnsüchte und Bedürfnisse werden, denn genau die beantworten es, man muss nur hinhören. 


Aktuell haben wir unser Abendritual. Gestern machte er spontan ein Foto davon. Kette ums Bein, andere am Halsband, sieht man auf dem Bild nicht. Zugedeckt, gute Nacht gesagt, Hörbuch an, gestreichelt und gekrault einschlafen, aber bevor ich ins Bett darf, muss ich auf dem Fake-Fell warten, bis er mich lässt.




Aber das ist zu wenig. Es fehlt mir so so sooo viel!
Der Tag begann vielversprechend. Ich wurde wach, er nahm mir mein Handy direkt aus der Hand, griff nach der Kette am Halsband, befahl, ich solle sie auch in die Hand nehmen und fragte mich: "Warum trägst Du diese Kette?"
"Weil sie kleidsam ist?" War nicht die richtige Antwort... 

Damit ich nicht weglaufen kann, damit ich verfügbar bin, damit ich da bin, wenn er mich haben will. Und er wollte mich haben und nahm mich und ließ mich stöhnen und ließ mich wimmern und ließ mich mehr wollen, immer mehr und gab mir nicht mehr, sondern sagte, ich solle mich ums Frühstück kümmern.

Toller Einstieg oder?

Dann kümmerte ich mich um das Frühstück, machte mich nebenher sauber, zog mich nebenher an, als er fertig mit Duschen usw war, aßen wir gemeinsam, er am Tisch, ich am Boden und es war schön :)

Dann kam der Alltag wieder ins Spiel. Wir saßen länger im Auto, als ich mich hinsetzte, legte ich sehr auffällig die Leine vorne hin, die dennoch unbeachtet blieb. 
Stinozeit.... den ganzen Tag :(

Dann zuhause musste er noch etwas arbeiten, ich machte Yoga und nun sitze ich hier, schreibe den Eintrag und denke, es wird nur wieder das Abendritual geben.


Ich habe keine Alltagsregeln, die mir im Alltag meinen Platz zeigen, die mir zeigen könnten, dass er mein Herr ist. Ich muss keine Anrede beachten, bekomme keine Befehle, Handzeichen oder sonstiges, darf mich überall hinsetzen, ohne mit Worten oder fragendem Blick eine Erlaubnis zu bekommen.
Wo ist dann mein Platz?
Dann muss ich mich verstellen, die Normale sein und funktionieren, muss mich verstellen, stark sein und selbstständig, all das, was mir so widerstrebt und mich so ankotzt.

Weiterhin also keine Struktur, kein Halt, keine Sicherheit.

Es kostet mich so viel Energie, es raubt mir meine Fröhlichkeit, meine gute Laune und dann ist es wieder eine Frage der Zeit, bis er mich grimmige Hausfrau nennt und ich mir denke: "Ja danke! Danke, dass Du mich zur Hausfrau machst und Dich dann darüber beschwerst!" aber das ist nicht positiv gedacht... ich möchte positiv denken, nur fällt es mir im Moment so unendlich schwer.

Ich arbeite derweil an mir, lerne, mache Yoga, informiere mich, übe, versuche geistig und körperlich in Form zu bleiben. Wenigstens ein Mensch, ich selber, muss ja an mir arbeiten... wenn da schon keine anderen Ansprüche kommen...



Kommentare:

  1. Bis zu einem gewissen Grad kann ich es verstehen - es reicht nicht und es ist zu "stino", aber dein Tagebuch liest sich immer mehr wie "topping from the bottom" bzw. der Versuch dazu.

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  2. Guten Abend Herr oder Frau Unbekannt :)
    Schade, nicht einmal ein einfacher Vorname...

    Ich verstehe Deine Gedanken und früher, als TPE mehr Theorie in meinem Leben war, als Realität, sah ich es ähnlich oberflächlich und platt. Ganz gerne vergleiche ich es mit einem Kerl, der gerne Pornos schaut, aber noch Jungfrau ist. In der Theorie hat er eine gewisse Vorstellung und meint vielleicht sogar zu wissen, wie es ist zu ficken, aber in der Praxis sieht es anders aus. Steht er das erste mal vor einer Frau, ist er womöglich übermütig, brutal, kommt zu früh, oder bekommt erst gar keinen hoch.

    Bei TPE ist es ähnlich und doch ganz anders. In der Theorie denkt man sich, es kann so einfach sein und es muss so und so sein und hat gewisse Vorstellungen und Fantasien. In der Realität sind es zwei Menschen, die Pakete mit sich herum schleppen, die Bedürfnisse haben und andere Sorgen und Nöte, die mal gut, mal mies gelaunt sind und und und, jedenfalls sehr viele Faktoren.

    Ein universelles TPE existiert nicht, da jeder Mensch andere Bedürfnisse hat. Man kann ein Grundgerüst benennen und sagen: "Sie folgt, er befielt." aber darüber hinaus, ist alles offen.

    Aber gut, bleiben wir mal bei meinem Fall :)

    Wo hört das nennen von Bedürfnissen auf und beginnt "topping from the bottom"?

    Kennst Du die Grenze?

    Bestimmst Du gar die Grenze?

    Muss ich auf das, was Du als Grenze definierst hören, oder doch eher, auf was mein Herr sagt?

    Da ist der Haken, den nicht jeder sieht, der mit jemanden kommuniziert, der in einer Beziehung lebt.

    Vorab, brutal und gemein gesagt: Was Du schreibst, interessiert mich nicht, so lange mein Herr etwas anderes sagt/denkt/definiert.

    Wenn mein Herr sagt, es ist "topping from the bottom", dann mache ich mir ernsthafte Gedanken, wobei offen gesagt, ich mache mir sehr viele Gedanken über genau dieses Thema. Wenn Du aufmerksam gelesen hast, dann müsstest Du erkannt haben, dass ich genau davor Angst habe und deshalb extrem darauf achte, denn das allerletzte was ich möchte ist, dass mein Herr tut, was ich sage! Aber mein Herr erwartet, dass ich meine Bedürfnisse äußere, es ist eine klare immer wiederkehrende Anweisung von ihm und genau das tue ich. Ich sage was mir fehlt, ich sage was in mir vorgeht, ich sage worin in meinen Augen die Probleme liegen, was ich brauche um mich wohlzufühlen.
    Ist das "topping from the bottom" oder Bedürfnisse äußern, wie es meine Aufgabe ist?

    Ok, die Frage geht ehrlich gesagt nicht an Dich, sondern meinem Herrn, denn sein Urteil zählt und nur seines.

    Dennoch bin ich Dir dankbar für Deinen Kommentar, für Deinen Denkanstoß!

    Ich hoffe, Du hast weiterhin Spaß beim Lesen :)

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