Freitag, 3. Januar 2020

Gedanken meines Herrn






"Wir bekommen beide nicht, was wir wollen, und sind deshalb unglücklich." – Ein Satz, der – im Rahmen eines Streits gefallen – geradewegs ins Zentrum jeder Beziehung – auch einer D/s-Beziehung – führt: die Bereitschaft, die Bedürfnisse des jeweils anderen wahrzunehmen und (idealerweise) auch zu erfüllen. Streit in der Beziehung (ja, auch in einer D/s-Beziehung darf und muss auch mal gestritten werden) verweist darauf, dass mindestens einer sich nicht gehört fühlt, den Eindruck hat, dass die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt, ja vielleicht noch nicht einmal gesehen werden.

Wann immer also Streit entfacht, müsste man eigentlich einen Schritt zurücktreten und auf die Bedürfnisse achtgeben – dummerweise ist man im Streit immer auch Konfliktpartei (und als solche hat man dann doch eher die eigenen Bedürfnisse und Empfindlichkeiten im Blick). Gar nicht so einfach. Und dann gibt im Zorn oder in einem Moment tief empfundener Verletzung ein Wort das andere; und der Streit bekommt neue Nahrung.

Wir haben uns gestritten, wieder einmal, wie so oft in letzter Zeit, dass es Not tut, einen Schritt zurückzutreten: einen frischen Blick auf die Bedürfnisse des anderen werfen und sich auch noch mal in Erinnerung rufen, was man am anderen hat – auch im Zorn und in der Wut. (Und die eigenen Bedürfnisse und Eitelkeiten für diesen Moment zurückstellen.) Genau das will ich jetzt tun.

Bianca, oder: Haustierchen, wie sie sich in Chats seit einiger Zeit nennt, kenne ich seit 2017 und habe sie seither in vielerlei Hinsicht lieben gelernt: sie ist hingebungsvoll und loyal (wie jeder weiß, der sie auch nur ein wenig kennt) und im Normalfall jedermann freundlich zugewandt. Eine Sklavin, die man sich kaum besser wünschen könnte. Es ist auch nicht zu verachten, dass ihr Körper – der "miese Verräter", wie sie ihn manchmal nennt – auf Stimulation sehr gut reagiert, so dass sie sich unter meinen Händen alsbald in eine notgeile, vor Lust stöhnende Schlampe wandelt.

Ihre Bedürfnisse gehen aber über sexuelle Befriedigung weit hinaus; Bianca ist eine echte Sklavin, die sich immer und überall eine harte Hand wünscht, in die sie sich einschmiegen kann. Eine harte Hand, die sie jederzeit unter Zwang stellt und ihr Einschränkungen auferlegt: ein Möbelverbot fürs Haustierchen, das nur gelegentlich Ausnahmen gestattet, strenge Vorgaben im Hinblick auf ihren Tagesablauf, harte, rücksichtslose Benutzung. Ein Traum für jeden Dom, oder nicht?

Die durchgängige, harte Hand – das ist etwas, was mir im Alltag schwerfällt, obwohl Ordnung und Struktur eigentlich immer Grundpfeiler meiner Existenz waren. Und gerade hier muss ich ansetzen, um den Bedürfnissen meines Haustierchens wieder mehr Gehör zu geben und sie so gut zu erfüllen, wie ich es vermag. Eine Struktur schaffen, in der meine Sklavin unabweislich ihren Platz hat; für jedermann sichtbar. Ohne Ambivalenz, ohne Zweideutigkeiten – eine Herrschaft, die keinen Platz mehr lässt für Missverständnisse und beunruhigende Freiheiten.

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