Mittwoch, 5. Februar 2020

Communication is key: Sprache, Etiquette und Erziehung





Sprache: Weltzugang und Verständigung

Menschen kommunizieren unterschiedlich, das weiß jeder, der viel mit Menschen zu tun hat. Die Gelegenheiten für Missverständnisse sind vielfältig. Die einschlägige Ratgeber-Literatur legt davon beredt Zeugnis ab, füllt sie doch ganze Bücherwände.

Als Bianca/Haustierchen und ich einander kennen lernten, hatten wir das Gefühl, wir sprechen eine gemeinsame Sprache. Da wir uns über einen Chat "getroffen" haben, war der Erstkontakt ein sprachlicher; ihr Profil gefiel mir, und meine Nachrichten fielen auf fruchtbaren Boden. Jetzt gerade lese ich diesen ersten – noch rein virtuellen – Austausch erneut; Themen, die uns bis heute beschäftigen (aber ein wenig vom Geröll des Alltags verschüttet sind), sind schon da: Formung, Werte, Status (und wie man das kommuniziert), den gemeinsamen Weg gehen. Wir verstanden uns: Eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Ideen. Als wir uns dann näher kennen lernten, wurde deutlicher, dass wir bei allen Gemeinsamkeiten doch recht unterschiedliche Kommunikationsstile pflegen, die viel "Sprengstoff" in sich bergen und mitunter Streit generieren, weil sich der je andere nicht verstanden und/oder angenommen fühlt.

Sprache – das ist mehr als bloß die Art zu formulieren; die eigene Entwicklung (Personalisation / Sozialisation / Enkulturation) findet wesentlich in der Sprache statt. Mit der (je eigenen) Sprache wird immer auch der eigene Weltzugang transportiert, die Sicht auf die Welt. Sprache, so könnte es jetzt scheinen, als individuelle trennt uns: jeder spricht in seiner eigenen Sprache darüber, wie er die Welt sieht. Aber Sprache ist auch der große Verbinder: Um sich in der Tiefe auszutauschen, braucht man Sprache. Bestätigen, Verständnis zeigen, Verzeihen – das sind alles Sprechakte. Und mittels solcher Sprechakte kommen auch die je unterschiedlichen Weltsichten zueinander.

In diesem Blog verbindet sich der individuelle Sprachausdruck mit dem Wunsch nach Verständigung: Er ist zugleich Ausdruck von Haustierchens Weltsicht als auch der Weg, den sie mir in ihre Seele bahnt. So wie meine Einträge das Echo auf manches sind, was sie mir – hier und andernorts – zuruft.

Die Sprache des Herrn und die Sprache der Sklavin


Nach dieser Vorklärung komme ich langsam zum Kern meines Eintrags: Welche Sprache sprechen Herr und Sklavin miteinander? Die Standardantwort, zumal in einer TPE-Beziehung, wäre wohl erstmal: die Sprache des Herrn. Er bestimmt alles, also auch die Art, wie miteinander kommuniziert wird. Problem gelöst? Ich denke: Nein, das ist zu einfach gedacht.

Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: selbstverständlich ist Sprache ein wichtiges Erziehungsmittel, vielleicht das Wichtigste. Und wer formen möchte, in einem umfassenden Sinne, der will auch Einfluss nehmen auf die Sprache. Etiquette, das Erlernen von sprachlichem Verhalten ist integraler Teil der Erziehung einer Sklavin.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht: Sprache, sagte ich eben, ist Weltsicht. Und Kommunikation ist der Schlüssel in jedweder Beziehung ("communication is key", wie die Engländer es prägnant sagen). Wenn ich also die Sprache des Anderen forme, forme ich auch seine Weltsicht (das ist ja auch vielfach erwünscht). Zugleich möchte ich aber Zugriff auf die genuine Weltsicht des Anderen, einen Blick in die Seele, wie Haustierchen das treffend nennt. Aber den bekomme ich nur, wenn ich dem Anderen auch seine eigene Sprache lasse. Ein Dilemma: Formen, Gestalten muss auch und gerade die Sprache in den Blick nehmen, aber bei aller Umgestaltung muss man dem Anderen auch seine eigene Sprache erlauben. Es kann also nicht nur die Sprache des Herrn geben, es muss auch Platz für die Sprache der Sklavin sein.

Diese Sprache braucht ihren Ort – für Haustierchen ist das ihr Blog, in dem sie schonungslos ehrlich, soweit die Anonymität Beteiligter es zulässt, Rechenschaft ablegt. Über ihr Gefühlsleben, unseren Alltag, die Krisen und die lichten Momente. Dabei komme ich oft nicht gut weg, obwohl Haustierchen meist in ihrer Darstellung versucht, fair zu sein, aber in Krisenmomenten ist es eben nicht so einfach, die Sicht des Anderen zu verstehen, vor allem wenn sie einem fremd ist. Dennoch finde ich es ganz wichtig, dass sie diesen Ort des Zwiegesprächs hat, und lasse es bewusst zu, unvorteilhaft portärtiert zu werden; es ist kathartisch für die Sklavin, und es gehört zu meinem Begriff von Stärke solche Kritik auszuhalten.


Sprachliche Erziehung der Sklavin


Auch wenn eine Arena, in der sie frei sprechen kann, wichtig ist, bedeutet das keinen Verzicht auf Erziehung an dieser Stelle, Wer eine Sklavin sein Eigen nennt, der möchte von ihr ein bestimmtes Verhalten, und das schließt ein bestimmtes sprachliches Verhalten, eine bestimmte Etiquette, mit ein.

Wie kann das gelingen?

* Man muss sprachliche Standards im Umgang definieren: eine bestimmte Anrede – bei uns: "Monsieur" – etabliert Status (sofern sie konsequent eingefordert und kontextuiert wird).
* Die gewünschte Etiquette muss langsam und beständig geschult werden; das bedeutet, dass man nicht nur das Endziel im Blick behält, sondern auch die vielen kleinen Zwischenschritte würdigt. Lobende Worte haben hier ihren Platz
* Immer verbalisieren, warum etwas erwünscht ist und dabei immer wieder Status markieren; Haustierchen liebt es, ihren Platz zu spüren – und verbale Demütigung ist da ein wichtiges Mittel der Kommunikation
* Nicht zuletzt einen Ort zulassen, an dem ungeschützt kommuniziert werden kann, damit das, was sonst von der Etiquette unterdrückt wird, "raus" kann. Wenn man es nicht rauslässt, kommt es eben an einer Stelle heraus, an der man es nicht erwartet und vielleicht auch nicht gebrauchen kann.

An dieser Stelle schlucke ich meinen Zorn über den letzten Blogeintrag hinunter, "höre" lesend zu und trete wieder ins Gespräch mit meinem Haustierchen ein. Sobald das richtige Setting wieder etabliert ist: sie auf dem Boden, die Stirn auf die Fliesen gedrückt, kurz: da, wo die hingehört, und ich über ihr, den Fuß in ihrem Nacken, die Leine in der Hand, mit offenem Ohr für ihre Sorgen und Nöte.



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